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Aus meiner Sicht

Ich bin kein Bittsteller, ich bin ich selbst

Ich möchte gehört werden. Ich bin eine Person mit seelischer Behinderung, kein wandernder Appell für Mitleid oder Mitgefühlstrott. Meine Rechte, meine Würde und mein Potenzial sind keine Gnade, sondern Dinge, die mir zustehen – genauso wie jedem anderen Menschen auch.

Ich habe Kompetenzen, Erfahrungen und Träume. Meine Krisen haben mich geprägt, aber sie definieren mich nicht. Ich bringe einzigartige Perspektiven mit, die meiner Familie, meinem Freundeskreis, meinem Arbeitsplatz und der Gesellschaft insgesamt wertvolle Impulse geben können. Statt Besucherstatus in einer Hilfsqueue zu sein, will ich Teil einer Gemeinschaft bleiben, die mich unterstützt und gleichzeitig meine Fähigkeiten anerkennt.

Was ich brauche, ist kein netter Zuschuss von Zeit zu Zeit, sondern faire, verlässliche Zugänge zu Teilhabe: Bildung, Arbeit, soziale Kontakte und Gesundheitsversorgung, die keine Barrieren nach Einkommen, Herkunft oder Bildung haben. Ich möchte, dass Barrieren abgebaut werden – nicht, dass ich mich immer wieder erklären oder rechtfertigen muss, warum ich Hilfe brauche.

Dazu gehören klare Zugänge zu Ressourcen, aber auch echte Beteiligung. Ich will nicht am Rande der Planung stehen; ich möchte in Entscheidungen einbezogen werden, die mein Leben betreffen – in der Gesundheitsversorgung, am Arbeitsplatz, in Bildungseinrichtungen und in der Wohlfahrt. Wenn ich mitgestalte, entstehen Lösungen, die funktionieren – nicht nur theoretisch, sondern praktisch.

Transparenz ist mir wichtig. Wer Leistungen beantragt, wie sie berechnet werden und welche Rechte ich habe, muss verständlich erklärt sein. Ich brauche Ansprechpersonen, die erreichbar sind und die Dinge konkret erklären können, damit ich weiß, wohin ich mich wenden kann.

Gegen Diskriminierung brauche ich Schutz. Gesetze müssen greifen, damit niemand aufgrund einer psychischen Erkrankung benachteiligt wird. Und wenn ich Unterstützung brauche, will ich sie umfassend – nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial, beruflich und sozial.

Frühe Intervention, kontinuierliche Stabilisierung und echte Teilhabe gehören zusammen. Medikation, Therapie, Unterstützung im Alltag und passende Arbeits- oder Bildungswege sollten Hand in Hand gehen, damit ich ein sinnerfülltes Leben führen kann.

Was mir hilft, sind konkrete Initiativen, die heute schon Wirkung zeigen. Peer-Unterstützung von Menschen mit eigener Erfahrung gibt Mut und Orientierung. Barrierefreie Beratung, die mehrsprachig und niedrigschwellig ist, senkt Hemmschwellen. Inklusiver Arbeitsmarkt, der Vielfalt wertschätzt und Räume für Weiterentwicklung bietet, stärkt Betriebskultur und Loyalität zugleich. Bildungseinrichtungen, die flexible Lernwege ermöglichen, öffnen mir neue Lebensentwürfe.

Ich wünsche mir Respekt, Gleichberechtigung und echte Teilhabe – nicht als Bittstellerin oder Bittsteller gesehen zu werden, sondern als eine starke, kreative und verantwortungsvolle Person. Es liegt an uns allen, Barrieren abzubauen und Räume zu schaffen, in denen ich und andere mit seelischer Behinderung unser volles Potenzial entfalten können. Hört gern in den Podcast „Kopfnuss“ der AWO Kreisverband Harz rein-vielleicht erkennt ihr mich wieder. Wenn dann Danke, dass ihr mir zuhört!

anonym

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