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Die essentielle Existenzberechtigung des Ambulant Betreuten Wohnens in Deutschland

Was wäre, wenn es das Ambulant Betreute Wohnen nicht gäbe?

In Deutschland haben Menschen mit Behinderungen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft. Ein zentraler Baustein dafür ist das Ambulant Betreute Wohnen (ABW). Dieses Angebot ermöglicht es Menschen mit Behinderungen, in ihrer eigenen Wohnung zu leben, unterstützt durch individuelle Betreuung und Begleitung. Doch warum ist das Ambulant Betreute Wohnen so wichtig? Und was würde passieren, wenn es diese Form der Unterstützung nicht gäbe?

Was ist Ambulant Betreutes Wohnen?

Das ABW bietet Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, in ihrer vertrauten Umgebung zu leben, während sie gleichzeitig die notwendige Unterstützung erhalten. Diese Unterstützung kann vielfältig sein: Hilfe bei Alltagsaufgaben, Begleitung zu Terminen, Unterstützung bei der sozialen Integration oder bei der Bewältigung von Herausforderungen im Alltag. Ziel ist es, die Selbstständigkeit zu fördern und ein möglichst unabhängiges Leben zu ermöglichen.

Beispiele aus der Praxis:

Anna, eine junge Frau mit einer geistigen Behinderung, lebt in einer eigenen Wohnung. Durch das ABW erhält sie regelmäßig Unterstützung bei der Haushaltsführung und bei der Kontaktaufnahme zu Freunden. Ohne diese Unterstützung wäre sie auf die Hilfe ihrer Familie oder Pflegeeinrichtungen angewiesen, was ihre Selbstbestimmung einschränken würde. Tom, ein Erwachsener mit einer körperlichen Behinderung, lebt in einer barrierefreien Wohnung. Er wird durch das ABW bei der Organisation seines Alltags begleitet, z.B. bei Arztbesuchen oder beim Einkaufen. Ohne diese Begleitung könnte er seine Termine nicht selbstständig wahrnehmen und wäre auf externe Hilfe angewiesen.

Was wäre, wenn es das Ambulant Betreute Wohnen nicht gäbe?

Würde das ABW wegfallen, müssten viele Menschen mit Behinderungen auf stationäre Einrichtungen oder Pflegeplätze umsteigen. Das würde bedeuten, dass sie ihre Selbstständigkeit verlieren, ihre gewohnte Umgebung verlassen und in Einrichtungen leben müssten, die oft weniger individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen. Für viele wäre das eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität und ihrer Rechte auf Selbstbestimmung.

Die Entwicklung in Deutschland – vom Fürsorgenden Staat zum selbstbestimmten Leben

Deutschland hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde der Grundstein gelegt, um Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Ziel ist es, Barrieren abzubauen und ein inklusives Miteinander zu fördern. Menschen mit Behinderungen sollen so normal leben können wie alle anderen – in ihrer eigenen Wohnung, in ihrer Nachbarschaft, in der Gesellschaft. Doch diese Errungenschaften sind durch aktuelle Sparmaßnahmen gefährdet. Kürzungen im Bereich der Eingliederungshilfe und des Ambulant Betreuten Wohnens bedrohen die bisher erreichten Fortschritte. Wenn die Finanzierung gekürzt wird, besteht die Gefahr, dass Angebote reduziert oder sogar ganz eingestellt werden. Das würde bedeuten, dass Menschen mit Behinderungen ihre Selbstständigkeit verlieren, in Heime oder Pflegeeinrichtungen gezwungen werden und ihre Rechte auf ein selbstbestimmtes Leben eingeschränkt werden.

Das Ambulant Betreute Wohnen ist kein Luxus, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Es ist essenziell, diese Angebote zu erhalten und weiter auszubauen.

Marlen Kramer-Hirtz

Bereichsleiterin "Eingliederungshilfe"

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