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Datum: 19.03.2026

Eva von Angern macht Praktikum in der AWO Tagesstätte »Horizont« in Halberstadt

Landtagsabgeordnete der Linke ist einen Tag lang mittendrin statt nur dabei

Am 19. März 2026 wurde die AWO Tagesstätte „Horizont“ in Halberstadt zu einem Ort gelebter Begegnung zwischen Politik und Praxis. Die Landtagsabgeordnete Eva von Angern (Die Linke) nahm sich bewusst Zeit für einen Perspektivwechsel, der über einen klassischen Besuch hinausging: Statt eines kurzen Rundgangs verbrachte sie einen ganzen Tag in der Einrichtung und tauchte in den Alltag von Menschen mit psychischen und seelischen Erkrankungen ein.

Für die Spitzenkandidatin von Die Linke war dieser Schritt längst überfällig. Bisherige Besuche beschränkten sich meist auf kurze Einblicke. In Halberstadt bot sich nun die Gelegenheit, die Eingliederungshilfe nicht nur zu sehen, sondern im Rahmen eines Praktikums zu erleben. Dabei wurde deutlich, was im politischen Raum oft abstrakt bleibt: Hinter jeder Maßnahme stehen individuelle Lebensgeschichten, Brüche, Ressourcen und Entwicklungspotenziale.

Von Beginn an war spürbar, dass dieser Tag keine Einbahnstraße war. Die Offenheit der Assistenznehmerinnen ist keineswegs selbstverständlich. Veränderungen im gewohnten Ablauf können Unsicherheit und Stress auslösen. Umso bemerkenswerter war es, mit welcher Neugier und Zugewandtheit die Besucherin empfangen wurde. Einige verschoben sogar ihren gewohnten Einkauf, um an der Gesprächsrunde teilzunehmen, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und Einblicke in ihren Alltag zu geben.

Auch Kai-Gerrit Bädje, Geschäftsführer des AWO Kreisverband Harz e.V., beteiligte sich an diesem offenen Austausch. Seine persönliche Einordnung, dass auch er in seinem Berufsleben Phasen erlebt habe, in denen Rückzug notwendig war, um Überlastung zu vermeiden, setzte ein wichtiges Signal. Diese Form von Offenheit auf Augenhöhe schafft Anschlussfähigkeit und nimmt das Stigma psychischer Erkrankungen ein Stück weit aus dem Raum.

Bei einer Führung durch Teamleiterin Cindy Liebert wurde deutlich, wie differenziert und wirkungsorientiert die Arbeit der Tagesstätte aufgestellt ist. Besonders das neue Projekt „Keimzeit“ verdeutlicht den fachlichen Anspruch: Ein moderierter Schutzraum ermöglicht es den Teilnehmenden dabei, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten, Perspektiven zu wechseln und eigene Handlungsspielräume zu erweitern. Der Fokus liegt nicht auf Schuldzuweisungen, sondern auf Lernen und Weiterentwicklung. Damit wird Empowerment nicht nur als Schlagwort verstanden, sondern konsequent im Alltag verankert.

Parallel dazu zeigte sich im kreativen Arbeiten eine weitere Stärke der Einrichtung. Während ein Teil der Gruppe das gemeinsame Mittagessen vorbereitete, arbeitete eine andere Gruppe konzentriert an einem eigenen Kinderbuch. Eva von Angern nahm gemeinsam mit ihrer Praktikantin Finnja an dieser Runde teil und zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der Ideen. Besonders hervorzuheben ist, dass auch die Illustrationen aus den eigenen Reihen stammen. Hier wird sichtbar, was Eingliederungshilfe leisten kann, wenn sie konsequent ressourcenorientiert arbeitet: Ausdruck, Selbstwirksamkeit und Stolz auf das eigene Schaffen.

Am Ende des Tages zog die Politikerin ein klares Fazit: Die gewonnenen Eindrücke und Begegnungen sollen nicht folgenlos bleiben. Eva von Angern möchte die Erfahrungen mit in den Landtag von Sachsen-Anhalt nehmen und dort stärker für die Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen eintreten. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um finanzielle Rahmenbedingungen. Ebenso zentral sei die gesellschaftliche Sichtbarkeit und Anerkennung der Lebensrealitäten der Betroffenen.

Der Besuch macht deutlich, was gute Eingliederungshilfe auszeichnet: Sie schafft Räume, in denen Menschen nicht auf ihre Erkrankung reduziert werden, sondern als aktive Gestalterinnen ihres Lebens wahrgenommen werden. Genau diese Perspektive braucht es auch im politischen Diskurs.

Mandy Politz

Fachassistentin der Geschäftsführung

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