Tinas Wunschzettel
was 2026 besser werden muss
Hallo ich bin Tina und meine Diagnose heißt seit 2002 paranoide Schizophrenie. Damit lebe ich.
In einer Stadt, die sich viel vornimmt, kämpfe ich jeden Tag darum, gehört zu werden – nicht als Fall, sondern als Mensch mit Wünschen, Stärken und einem Potenzial, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Für 2026 wünsche ich mir konkrete Schritte in der Eingliederungshilfe, damit Teilhabe keine Floskel bleibt, sondern Realität wird: gleichberechtigter Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung und sozialem Leben – ohne ständige Hürden, ohne ständiges Erklären.
Hintergrund: Seit Jahren navigiere ich ein System, das oft mehr von Formularen als von Unterstützung lebt. Medizinische Behandlung, psychosoziale Begleitung, barrierefreie Beratung und faire Finanzierung müssen Hand in Hand gehen. 2026 soll der neue Rahmenvertrag mehr sein als ein Dokument; er soll Klarheit schaffen, Barrieren abbauen und echte Mitbestimmung ermöglichen.
Was sich ändern müsste – aus meiner Sicht:
- Frühe Intervention und kontinuierliche Stabilisierung: Frühe Hilfen, abgestimmt auf individuelle Krisenpläne, die nicht mit Stigma, sondern mit Verständnis arbeiten.
- Ganzheitliche Versorgung: Medi- und psychosoziale Unterstützung aus einer Hand, inklusive psychosozialer Beratung, Karriere- und Bildungsberatung sowie Unterstützung im Alltag.
- Barrierefreiheit und Partizipation: Mehrsprachige, niedrigschwellige Informationen; transparente Leistungskriterien; echte Mitbestimmung in Planungen, die das eigene Leben betreffen.
- Finanzierung gerechter gestalten: Keine Zugangshürden durch Einkommen oder Herkunft; verlässliche finanzielle Absicherung, damit Teilhabe nicht am Geld scheitert.
- Arbeitsmarkt und Bildung: Flexible Lern- und Arbeitswege, inklusive betrieblicher Weiterbildung, die Vielfalt wertschätzen und Diskriminierung bekämpft.
- Schutz vor Diskriminierung: Gesetze, die psychisch Erkrankungen schützen, und wirksame Durchsetzung bei Benachteiligung.
- Transparenz: Klare Antworten darauf, wer welche Leistungen beantragt, wie sie berechnet werden und welche Rechte bestehen – mit leicht zugänglichen Ansprechpartnern.
- „Ich will kein Sonderopfer sein, sondern Teil einer Gemeinschaft, die mir vertraut. Wenn 2026 echte Teilhabe möglich wird, öffnet sich ein Raum für meine Fähigkeiten, und das stärkt uns alle.“
- „Barrierefreiheit darf kein Lippenbekenntnis bleiben. Wenn Beratung mehrsprachig und niedrigschwellig ist, sinkt die Hemmschwelle – und Theorie wird Praxis.“
Der Blick nach 2026 ist klar: Mehr echte Teilhabe, weniger Bürokratie, mehr Mitgestaltung von Betroffenen. Beteiligte Politikerinnen, Träger und Verbände müssten gemeinsam sicherstellen, dass der Rahmenvertrag nicht nur auf dem Papier existiert, sondern im Alltag spürbar wird – in Wartezimmern, in Klassenräumen, am Arbeitsplatz, in den Kommunalverwaltungen.
Ich wünsche mir Respekt, Gleichberechtigung und echte Teilhabe – nicht als Bittstellerin, sondern als Mensch mit Ideen, Mut und Verantwortung. Wenn Räume geschaffen werden, in denen meine Stimme Gewicht hat, wird 2026 zu dem Jahr, in dem seelische Gesundheit wirklich gehört wird – und ich dabei mitgestalten kann, wie unser gemeinsames Leben aussieht.
