KEIMZEIT im »Horizont«
Anti-Rassismus als Haltung und Praxis im „Horizont“
In den Tagesstätten „Horizont“ in Halberstadt, „Hoffnung“ in Quedlinburg und „Unter dem Regenbogen“ in Aschersleben verstehen wir Vielfalt nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als klaren Auftrag. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Lebensrealitäten und Erfahrungen begegnen sich hier tagtäglich.
Anti-Rassismus begreifen wir dabei nicht als einmalige Positionierung, sondern als kontinuierlichen Prozess der Reflexion, Sensibilisierung und Weiterentwicklung unserer Praxis.
Unsere Haltung ist klar und verbindlich: Rassismus – in jeder Form – hat bei uns keinen Platz.
Alltagsrassismus erkennen und benennen
Rassismus zeigt sich nicht ausschließlich in offenen Anfeindungen. Häufig begegnet er uns subtil, als sogenannter Alltagsrassismus.
Aussagen wie:
„Wo kommst du eigentlich her?“
„Du sprichst aber gut Deutsch!“
„Das war doch nicht so gemeint.“
können stereotype Zuschreibungen transportieren, Menschen auf ihre Herkunft reduzieren und Zugehörigkeit infrage stellen.
Ein zentrales Ziel unserer Arbeit ist daher die Sensibilisierung für kritische Perspektiven. Wir schaffen Bewusstsein dafür, dass Diskriminierung nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich verankert ist. Rassismus ist kein Einzelfallproblem, sondern Teil struktureller Diskriminierung, die sich in Sprache, Erwartungen und alltäglichen Handlungsmustern widerspiegeln kann. Als soziale Einrichtung tragen wir Verantwortung für eine diskriminierungssensible Praxis.
Das bedeutet konkret:
– Wir reflektieren Sprache und Kommunikationsformen.
– Wir hinterfragen eigene Vorannahmen und implizite Bilder.
– Wir nehmen Diskriminierungserfahrungen ernst und relativieren sie nicht.
– Wir greifen ein, wenn Grenzen überschritten werden.
Anti-Rassismus ist für uns kein Zusatzangebot, sondern Teil professionellen Handelns.
„Keimzeit“ – ein Schutzraum für Reflexion und Entwicklung
Aus dem Bedarf heraus, Diskriminierung und Probleme jeglicher Art offen ansprechen zu können, entstand das regelmäßige Format „Keimzeit“.
Die Keimzeit ist ein moderierter Schutzraum, in dem Erfahrungen benannt, Perspektiven ausgetauscht und Konflikte bearbeitet werden können. Ziel ist es, Verständnis zu fördern und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Die Grundlage bildet eine klare Struktur mit verbindlichen Gesprächsregeln:
– „Wir sprechen über Situationen, nicht über Personen.“
– „Wir bewerten nicht die Gefühle oder Wahrnehmungen anderer.“
Dieses Setting ermöglicht eine dialogische Konfliktbearbeitung, bei der nicht Schuldzuweisungen im Mittelpunkt stehen, sondern Lernprozesse. Die Mitarbeitenden moderieren und sichern den Rahmen – die Gruppe gestaltet den Dialog.
Ein weiterer zentraler Aspekt unserer Anti-Rassismus-Arbeit ist Empowerment.
Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, sollen sich als handlungsfähig erleben, ihre Perspektiven einbringen und ihre Rechte kennen.
Wir stärken:
– Selbstwirksamkeit
– sprachliche Ausdrucksfähigkeit
– gegenseitige Solidarität
Teilhabe bedeutet für uns, dass jede Person sich sicher fühlen kann, ihre Erfahrungen zu äußern, ohne Angst vor Abwertung oder Relativierung. Unsere Haltung ist nicht verhandelbar - Wir positionieren uns klar gegen Rassismus, Rechtsextremismus, Ausgrenzung und jede Form menschenfeindlicher Ideologien. Anti-Rassismus ist für uns keine politische Modeerscheinung, sondern Ausdruck unserer professionellen und ethischen Verantwortung. Im „Horizont“ gestalten wir einen Ort, an dem Unterschiedlichkeit nicht toleriert, sondern respektiert wird. Denn echte Teilhabe beginnt dort, wo Menschen nicht erklären müssen, warum sie dazugehören.
AWO - Eingliederungshilfe
