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Kinderarmut - AWO fordert gemeinsamen Kraftakt

Chancengleichheit in der Kindheit muss Priorität in unserer Gesellschaft haben

Jedes siebte Kind in Deutschland – einer der stärksten Volkswirtschaften weltweit – ist von Armut bedroht. Mit Blick auf den Welttag der sozialen Gerechtigkeit am Samstag, 20. Februar, ist das eine Zahl, die nicht länger hinnehmbar ist. „Dass Familien – und damit Kinder und Jugendliche – von Armut betroffen sind, ist keine individuelle Schuldfrage. Es sind unsere gesellschaftlichen Strukturen, die es zulassen, sogar herstellen, dass Menschen in Armut leben und ihre Benachteiligungen zugelassen werden“, erklärt Kai-Gerrit Bädje, Geschäftsführer vom AWO Kreisverband Harz e.V.

Er appelliert, gemeinsam mit der AWO in Sachsen-Anhalt, sich der gesellschaftlichen Pflicht zu stellen, Armut endlich konsequent zu bekämpfen. „Armut ist das Ergebnis gesellschaftlicher Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit, elitäre Bildungsanforderungen und die Individualisierung von Lebensrisiken“, erklärt Bädje die wesentlichen Ursachen.

Der Kreisverband und seine Gesellschaften unterstützen Familien mit Hilfebedarf im gesamten Landkreis, beispielsweise in Beratungsstellen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Tafeln und weiteren Einrichtungen der sozialen Arbeit. Wie wichtig jedes einzelne dieser Angebote ist, zeigt sich insbesondere in der Corona-Pandemie, deren Folgen Familien und arme Menschen in besonderem Maße belasten und die soziale Ungleichheit noch verdeutlichen. So bleiben viele Kinder und Jugendliche mit Hilfebedarf beispielsweise beim Thema Homeschooling auf der Strecke, was ihnen langfristig die Chance auf eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft noch erschwert.

„Wir brauchen eine nachhaltige Armutsprävention mit sozialpolitischen Instrumenten, die materielle Armut verhindern. Und wir brauchen auch eine verlässlich finanzierte und konzeptionell abgestimmte soziale Infrastruktur, die für alle Kindern und Jugendlichen Bildungs- und Teilhabechancen gewährleistet und Eltern in ihrer Sozialisationsaufgabe unterstützt. Es braucht einen gemeinsamen Kraftakt, einen ressortübergreifenden ganzheitlichen Weg zur wirksamen Armutsbekämpfung in Sachsen-Anhalt und auf Bundesebene“, ergänzt Barbara Höckmann, Vorsitzende des AWO-Präsidiums des Landesverbands.

In einem umfassenden Positionspapier erläutert die AWO, dass Armut ein Zusammenspiel von strukturellen Benachteiligungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnen, sozialer Teilhabe und materieller Versorgung ist. Das zeigen zudem die Ergebnisse der AWO-ISS-Langzeitstudie zu Kinderarmut und den Folgen für junge Menschen, in der seit 1999 bis 2019 1.000 Kinder in fünf wichtigen Entwicklungsphasen wiederholt befragt wurden. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass besonders Übergänge im Lebensverlauf junger Menschen Scheidewege in der Entwicklung sind. Wenn Übergänge, wie z. B. von der Schule in den Beruf, durch funktionierende soziale Netze und Unterstützungsstrukturen begleitet werden, steigen die Chancen für ein Entkommen aus Armutsschleifen.

Die AWO fordert, dass im Sinne einer Landes-Gesamtstrategie alle Landkreise und kreisfreien Städte regional maßgeschneiderte Präventionsketten entwickeln, die durch eine Landeskoordination unterstützt und begleitet werden. Hier werden qualitativ hochwertige und armutssensible Angebote der Bildung, Betreuung, Erziehung, Begleitung und gesundheitlichen Versorgung verbunden und sinnvoll aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig bedarf es bundesweit deutlich verbesserter Rahmenbedingungen in der Sozial-Arbeits-, Wohnungs- und Familienpolitik.

„Es bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Politik, Wohlfahrt und der Gesellschaft, um Armut in unserem Land effektiv zu verhindern. Kinder und Jugendliche haben dabei absolute Priorität. Denn nur, wenn sie mit den gleichen Chancen wie alle anderen aufwachsen können, kann es gelingen, den Armutskreislauf zu durchbrechen“, so Bädje abschließend.

Die Position der AWO können Sie in voller länge lesen. Klicken Sie dafür einfach in der rechten Spalte auf das entsprechende Dokument.

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