Sprungziele
Inhalt
 

Kling, Konto, klingelingeling

Warum eine gute Planung vor Schulden schützt.

Für viele Menschen gehört die Adventszeit zur schönsten Zeit des Jahres. Doch wenn steigende Lebenshaltungskosten, hohe Energieabschläge und der Wunsch nach einem „perfekten Fest“ zusammentreffen, entsteht für viele ein enormer finanzieller Druck. Das zeigt sich deutlich in der Arbeit der AWO-Schuldner- und Insolvenzberatung, die rund um den Jahreswechsel einen starken Anstieg an Anfragen verzeichnet.

„Viele Betroffene kommen erst zu uns, wenn die Nachzahlung schon fällig ist oder das Konto überzogen wurde“, berichtet das Beratungsteam. „Gerade in der Weihnachtszeit möchten viele ihren Liebsten etwas Gutes tun – aber ausgerechnet dann werden finanzielle Risiken am häufigsten unterschätzt.“ Überschuldung entsteht dabei meist nicht durch große Fehlentscheidungen, sondern durch eine Summe kleiner Belastungen, die sich in emotional geprägten Wochen schnell aufbauen. Rabattaktionen wie Black Friday oder vermeintliche Sonderangebote können diesen Effekt zusätzlich verstärken, weil sie zu schnellen Käufen verleiten, die das zuvor gesetzte Budget übersteigen.

Die Berater*innen empfehlen deshalb, frühzeitig auf den eigenen Haushalt zu schauen: feste Kosten wie Miete, Energie, Versicherungen und Lebensmittel sollten immer zuerst berücksichtigt werden. Wer sich zusätzlich einen Überblick über regelmäßige Ausgaben verschafft – etwa durch eine einfache Haushaltsliste – erkennt schneller, wie viel Spielraum tatsächlich vorhanden ist. Auch Rücklagen, der sogenannte Notgroschen, sollten nicht für Weihnachtsgeschenke aufgezehrt werden, damit unvorhergesehene Ausgaben im kommenden Jahr nicht sofort zur Belastung werden. Ebenso rät die Beratung dringend davon ab, Einkaufsangebote wie „Buy now, pay later“ oder kurzfristige Ratenkäufe zu nutzen. Sie wirken harmlos, gehören aber zu den häufigsten Gründen für spätere Überschuldung.

Weihnachten muss dennoch nicht teuer sein, um schön zu werden. Oft macht gerade die bewusste Planung den Unterschied – und entlastet sowohl finanziell als auch emotional. Die AWO-Beratung ermutigt Ratsuchende ausdrücklich, sich frühzeitig Unterstützung zu holen: „Je eher jemand den Weg zu uns findet, desto mehr Handlungsspielraum bleibt. Es ist kein Zeichen von Schwäche, Hilfe in Anspruch zu nehmen – im Gegenteil."

Denn Weihnachten sollte kein finanzieller Ausnahmezustand sein, der im Januar zu Sorgen führt. Mit etwas Übersicht, klugen Entscheidungen und einer realistischen Planung kann die Adventszeit ruhig und warm bleiben – ohne dass das neue Jahr mit Schulden beginnt.

Sarah Zschernitz,

Bereichsleitung Soziale Arbeit

nach oben zurück