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Datum: 26.03.2026

Pressemitteilung der Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt zur Studie »Hilfe, die nicht ankommt: Armut in der häuslichen Pflege« des Paritätischen Gesamtverbandes

Neue Studie des Paritätischen Gesamtverbandes: Hunderttausende von verdeckter Pflegearmut betroffen!


Eine aktuelle Studie des Paritätischen Gesamtverbandes macht auf ein erhebliches Versorgungsdefizit in der häuslichen Pflege aufmerksam: Hunderttausende pflegebedürftige Menschen in Deutschland erhalten trotz bestehendem Anspruch keine ausreichende finanzielle Unterstützung. In Sachsen-Anhalt sind etwa 5.000 Pflegebedürftige betroffen.

„Die Studie zeigt, dass in Sachsen‑Anhalt ein erheblicher Teil der Pflegebedürftigen trotz klarer Rechtsansprüche nicht die notwendige Unterstützung erhält – und das in einem Bundesland, in dem Armut und Alterung der Bevölkerung besonders eng zusammenfallen. Diese verdeckte Pflegearmut ist kein Randthema, sondern eine Frage der Zukunftsfähigkeit unseres Sozialstaates. Wir brauchen deshalb landesweit eine leicht erreichbare, unabhängige Sozialberatung und klare Vorgaben an die Sozialämter, damit Hilfe zur Pflege in Sachsen‑Anhalt tatsächlich bei den Menschen ankommt.“ stellt René Maresch vom Paritätischen Landesverband Sachsen-Anhalt klar.

Rund 4,9 Millionen Menschen werden bundesweit zu Hause gepflegt. Etwa 390.000 von ihnen haben einen Anspruch auf die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“, wenn ihre finanziellen Mittel und Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen.

Tatsächlich erhalten jedoch nur rund 76.000 Betroffene diese Unterstützung. Etwa vier von fünf Leistungsberechtigten gehen leer aus.

Die Studie zeigt auch, dass neben fehlendem Wissen über Leistungsansprüche auch Scham, unzureichende Beratung sowie unterschiedliche Verwaltungspraxen der Sozialämter zu dieser Unterversorgung beitragen. Zudem bestehen erhebliche regionale Unterschiede beim Zugang zu den Leistungen. In manchen Regionen, wie dem Saarland erhält lediglich eine*r von zehn Leistungsberechtigten, die ihr/ihm zustehende und dringend benötigte, finanzielle Unterstützung – in Sachsen-Anhalt ist es eine*r von fünf.

Auch wir fordern angesichts dieser Zahlen eine konsequente Umsetzung der bestehenden gesetzlichen Ansprüche sowie eine bessere Information und Beratung für Betroffene. Ziel muss es sein, Pflegearmut wirksam zu bekämpfen und eine verlässliche Versorgung unabhängig vom Wohnort sicherzustellen.

Im Rahmen der Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt setzen wir uns von Beginn an für den Aufbau einer allgemeinen, unabhängigen Sozialberatung ein. Eine solche Beratung kann maßgeblich dazu beitragen, verdeckte Armut sichtbar zu machen und die Nichtinanspruchnahme von Sozialleistungen zu verringern. Ziel ist es, allen Menschen den Zugang zu den ihnen zustehenden Leistungen zu ermöglichen und bestehende Hürden im Sozialstaat abzubauen.

Aus dieser Initiative heraus ist das Pilotprojekt „WegBegleiter im Sozialdschungel“ entstanden, dass unsere Mitgliedsorganisationen AWO Kreisverband Harz e.V. und AWO Kreisverband Salzland e.V. ab dem 01.04.2026 in den Landkreis Harz und Salzlandkreis umsetzen werden.

Mitglieder des Sprecher*innenrates der Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt sind:

-          Barbara Höckmann, 1. Sprecher*in (AWO Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.)

-          Martin Mandel (DGB Sachsen-Anhalt)

-          René Maresch (PARITÄTISCHER Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.)

-          Mamad Mohamad (Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt [LAMSA] e.V.)

-          Susan Vogel (Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachgruppe Soziale Arbeit)

Link: Homepage der LAK

Hintergrund

Die Landesarmutskonferenz Sachsen-Anhalt ist ein im November 2023 gegründeter Zusammenschluss von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, Gewerkschaften, Verbänden, Vereinen, Initiativen, Selbstvertretungen und wissenschaftlichen Institutionen aus Sachsen-Anhalt. Sie setzt sich für eine gerechte Verteilung von Ressourcen und eine Stärkung der sozialen Sicherungssysteme ein.

Für Rückfragen oder Interviewanfragen kontaktieren Sie bitte: team@armutskonferenz.org

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