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Datum: 11.02.2026

Sensibilisierung für den Kita-Alltag: Umgang mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus

Wie tritt Rechtsextremismus heute in Erscheinung? Wie sind rechte Akteur*innen organisiert, und was kennzeichnet ihr Auftreten?

Am 11. Februar 2026 war der „Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.“ zu Gast beim AWO Kreisverband Harz e.V. Thema der Veranstaltung war der Umgang mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Kindertagesstätten – ein Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Katharina Kist und Noah Buhmann gaben nicht nur Antworten, sondern auch Einblicke und Informationen zu einer Parallelwelt, die sich oft nur noch schwer erkennbar und dadurch umso gefährlicher geworden ist. Anwesend waren unter anderem Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Einrichtungen der AWO sowie die Bereichsleiterin der Kindertagesstätten, Susanne Bertl.

Erfahrungen aus dem Kita-Alltag

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden zunächst die bisherigen Erfahrungen der Beteiligten mit dem Thema Rassismus im Kita-Alltag gesammelt. Die Rückmeldungen waren unterschiedlich: Während einige Einrichtungen bislang keine konkreten Vorfälle erlebt haben, berichteten andere Kitas von mehreren Situationen, die deutlich machten, dass das Thema längst im pädagogischen Alltag angekommen ist.

So wurde beispielsweise eine Erzieherin aufgrund ihrer äußeren Erscheinung von bestimmten Eltern abgelehnt und nicht ernst genommen. In einem weiteren Fall ging eine anonyme Beschwerde ein, wonach ein Elternpaar offen rechtsradikal in einer Kita auftrat.

Solche Situationen werfen für die pädagogischen Fachkräfte zentrale Fragen auf:
Wie reagiert man professionell?
Was kann konkret dagegen unternommen werden?
Und woran erkennt man rechtsextreme Haltungen oder Zugehörigkeiten im Alltag überhaupt?

Rechte Codes sind nicht immer offensichtlich

Katharina Kist und Noah Buhmann machten deutlich, dass eindeutige Erkennungsmerkmale heute selten geworden sind. Die klassischen Bilder von Glatze, Bomberjacke und Springerstiefeln gehören weitgehend der Vergangenheit an. Die rechte Szene nutzt inzwischen eine Vielzahl an Symbolen, Marken und Codes, die für Außenstehende oft nicht unmittelbar als rechtsextrem erkennbar sind.

Zudem werden immer wieder Marken oder Kleidungsstücke vereinnahmt, die ursprünglich keinen expliziten Bezug zur rechten Szene hatten, für Anhänger*innen jedoch eine symbolische Bedeutung tragen. Verbotene Kennzeichen werden durch erlaubte oder abgewandelte Symbole ersetzt. Schriftzüge werden gezielt verändert, sodass ihre eigentliche Botschaft nur Eingeweihten bekannt ist. Ein Beispiel hierfür ist die Umdeutung oder Verschleierung bekannter extrem rechter Parolen durch scheinbar harmlose Wortspiele.

Veranschaulicht wurden diese Informationen durch Fotos aus der rechten Szene. Viele der darauf zu sehenden Symbole, Codes und Erkennungsmerkmale waren den Anwesenden bis dahin unbekannt und regte zahlreiche Diskussionen und Fragen an.

Neue Strategien der Szene

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Bildung religiös ausgerichteter Gruppen mit rechtem Hintergrund. Diese werden mit Naturverbundenheit, traditionellen Rollenbildern und einem betont familienorientierten Auftreten. Häufig wird dabei ein „Landfrauen“-Image transportiert, das nach außen harmlos wirkt, jedoch ideologisch aufgeladen sein kann.

Kinder aus entsprechenden Familien oder Gruppierungen werden nicht selten nach stark rechten Familien- und Lebensmodellen erzogen. Dabei finden sich Bezüge zu Erziehungsvorstellungen aus der Zeit des Nationalsozialismus wieder. Hinzu kommt, dass Kinder in starre Geschlechterrollen gedrängt werden und sich entsprechend der Vorstellung von „echten“ Mädchen und Jungen verhalten sollen.

Handlungssicherheit stärken

Für die anwesenden Erzieher*innen wurde deutlich, wie wichtig Sensibilisierung, Wissen und kollegialer Austausch sind. Rechtsextreme Ideologien treten heute häufig subtil auf und sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Umso bedeutsamer ist es, aufmerksam zu bleiben, klare pädagogische Haltung zu zeigen und diskriminierenden oder demokratiefeindlichen Tendenzen konsequent entgegenzutreten.

Die Veranstaltung bot Raum für Fragen, Austausch und fachliche Einordnung. Sie stärkte die Handlungssicherheit der Mitarbeitenden und unterstrich die Verantwortung von Kindertagesstätten als Orte demokratischer Bildung und gelebter Vielfalt.

Mandy Politz

Fachassistentin der Geschäftsführung

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