Sprungziele
Inhalt
 
Datum: 01.05.2026

Sonnenschein, Saxophone und klare Worte: Familienfest der AWO am 1. Mai in Quedlinburg

Sonnig, warm und voller guter Laune: Bessere Voraussetzungen hätte es für das Familienfest des AWO Kreisverband Harz e.V. am 1. Mai kaum geben können. Im Garten des Familien- und Pflegezentrums in der Gartenstraße wurde erzählt, gelacht, gespielt, gestaunt und gefeiert. Spätestens als die Musiker von Saxlust mit ihren Saxophonen und dem Schlagzeug loslegten, war klar: Dieser Tag der Arbeit hatte nicht nur Haltung, sondern auch ordentlich Schwung.

Wie in jedem Jahr lud der AWO Kreisverband Harz e.V. am 1. Mai zum Familienfest nach Quedlinburg ein. Ab 10 Uhr konnten die Gäste im Garten des Familien- und Pflegezentrums eine schöne gemeinsame Zeit verbringen. Familien, Mitarbeiterinnen, Ehrenamtliche, Kinder und viele interessierte Besucher*innen kamen zusammen, um den Feiertag in entspannter Atmosphäre zu begehen.

Doch bevor der Spaß ganz in den Vordergrund rückte, wurde deutlich: Der 1. Mai ist mehr als ein freier Tag im Kalender. Kai-Gerrit Bädje, Geschäftsführer des AWO Kreisverband Harz e.V., begrüßte die Anwesenden und erinnerte an die Bedeutung des Tags der Arbeit. Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt machte er auf politische Entwicklungen aufmerksam, die aus Sicht der Arbeiterwohlfahrt mit Sorge zu betrachten sind. Insbesondere Pläne, am Sozialsystem zu sparen, dürften nicht zulasten derjenigen gehen, die ohnehin in schwierigen Lebenslagen seien.

Für die Arbeiterwohlfahrt stehe Solidarität an erster Stelle, betonte Bädje. Solidarität mit Menschen, die Unterstützung brauchen, die in Not geraten sind oder deren Lebensumstände nicht selbst gewählt sind. Wer keine Arbeit habe, habe sich diese Situation in den allermeisten Fällen nicht ausgesucht, sondern sei häufig durch Entscheidungen Dritter in diese Lage gekommen. Die Arbeit der AWO und der Tafeln ziele jeden Tag darauf ab, das Leben dieser Menschen zu verbessern.

Auch Andreas Steppuhn, Vorsitzender der Tafel Deutschland, fand klare Worte. Er forderte die demokratischen Parteien auf, nicht weiter am Sozialsystem zu sparen und die „kleinen Bürger“ nicht zusätzlich zu belasten. Andernfalls, so seine Warnung, drohe das Vertrauen vieler Menschen in die Politik weiter zu schwinden. Die Tafeln stellten zunehmend fest, dass Armut wachse, während zugleich die Zahl sehr vermögender Menschen steige. Steppuhn appellierte an die Anwesenden, sich vor der Wahl genau mit den Regierungsplänen rechter Parteien auseinanderzusetzen. Diese versprächen viel, würden am Ende aber gerade diejenigen noch stärker belasten, die ohnehin schon schwer zu tragen hätten.

Ein weiterer politischer Impuls kam von Kathrin Sonnenholzner, Vorsitzende des Präsidiums des AWO Bundesverbandes. Dirk Michelmann, Vorstandsvorsitzender der AWO, fragte sie, wie sie die Solidarität in Deutschland einschätze. Sonnenholzner verwies auf einen deutlichen Abwärtstrend, der sich sowohl in Sozialen Medien als auch in offiziellen Umfragen zeige. Viele Menschen gäben an, nur wenige Freund*innen zu haben, viele fühlten sich einsam. Diese Zahlen seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch das Vertrauen in den Staat sei gesunken. Vielfältige Belastungen seit der Finanzkrise 2008, Kriege, steigende Lebenshaltungskosten und politisches Versagen hätten dazu geführt, dass viele Menschen Angst hätten und spürten, dass sich Arbeit für sie kaum noch lohne. Auch Sonnenholzner rief dazu auf, vor der Landtagswahl genau hinzuschauen, welche konkreten Folgen die Programme der Parteien für das eigene Leben haben könnten.

Nach diesen ernsten, aber wichtigen Worten durfte dann gefeiert werden. Die Band Saxlust betrat die Bühne und sorgte mit vielen Saxophonen und einem Schlagzeug für heitere Stimmung. Swing, Rock und Welthits, mal konzertant, mal mitten durchs Publikum: Die Musiker spielten Gute-Laune-Musik pur. Ohne Verstärker, handgemacht, echt und ehrlich. Und der Funke sprang sichtbar über. Nicht nur die Band hatte Freude an ihrem Auftritt, auch das Publikum ließ sich gern mitreißen.

Für die kleinen Besucher*innen gab es zahlreiche liebevoll gestaltete Angebote. Beim „DosenDuell“, in der „WuselWerkstatt“ und im „TüftelTreff“ wurde gespielt, gebastelt und ausprobiert. An der Station „GlitzerGesichter“ verwandelten sich Kinder in farbenfrohe Fabelwesen. Bei der „RoboRunde“ konnten sie mit der Robo-Robbe „Paro“ und dem „CareTable“ auf Entdeckungstour gehen. Das „BlasenBallett“ brachte mit riesigen Seifenblasen Groß und Klein zum Staunen. Und wer danach noch Energie übrig hatte, konnte sie auf der großen Hüpfburg loswerden.

Für Speisen und Getränke sorgten die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Tafel Quedlinburg, Halberstadt und Wernigerode. Damit war auch kulinarisch bestens für die Gäste gesorgt.

Heiter und bunt ging es ab 13 Uhr mit dem AWO Mitmach-Zirkus „Trommelwirbel“ weiter. Junge Akrobat*innen zeigten, was sie draufhaben, und bewiesen eindrucksvoll, dass Mut, Konzentration und Teamgeist auch auf der Zirkusbühne bestens zusammenpassen.

Neben Spiel, Musik und Unterhaltung gab es außerdem Gelegenheit, sich an verschiedenen Ständen zu informieren. Die Gäste konnten etwa mehr über die Arbeit des Betriebsrats erfahren oder mit Vertreter*innen der SPD, der Linken und von Bündnis 90/Die Grünen sowie dem DGB ins Gespräch kommen.

So wurde das Familienfest des AWO Kreisverband Harz e.V. auch in diesem Jahr zu einem Tag, der vieles miteinander verband: politische Haltung, Begegnung, Musik, Kinderlachen und Gemeinschaft. Das schöne Wetter half natürlich kräftig mit. Aber unvergesslich wurde dieser 1. Mai vor allem durch die Menschen, die ihn gemeinsam gestaltet und gefeiert haben.

Mandy Politz

Fachassistentin des Geschäftsführers

nach oben zurück