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Tafel Deutschland

Zum Tag des Ehrenamtes: Andreas Steppuhn über wachsende soziale Belastungen und die Bedeutung der Tafeln

Zum Tag des Ehrenamts beschreibt Andreas Steppuhn, Vorsitzender von Tafel Deutschland, die wachsenden sozialen Belastungen, die sich im Alltag vieler armutsbetroffener Menschen verdichten. Seit 2021 seien die Lebensmittelpreise um mehr als 30 Prozent gestiegen, während Einkommen und Sozialleistungen hinter dieser Entwicklung zurückblieben. Rund 1,5 Millionen Menschen werden inzwischen von den Tafeln unterstützt – ein Hinweis auf strukturelle Defizite im sozialen Sicherungssystem.

Steppuhn kritisiert die Debatte um das Bürgergeld als unsachlich; Tatsächliche Totalverweigerung komme nur in Ausnahmefällen vor. Viele der Betroffenen seien Erwerbstätige, deren verfügbares Einkommen schlicht die notwendigen Lebenshaltungskosten nicht decke.

 „Wenn Regelsätze nur alle paar Jahre angepasst werden, während der Alltag immer teurer wird, werden arme Menschen noch ärmer“, betont er.

Auch die Tafeln selbst arbeiten an der Grenze ihrer Möglichkeiten. Ungefähr ein Viertel der Einrichtungen führt Wartelisten, weil sowohl Lebensmittel als auch ehrenamtliche Kräfte fehlen. Da der Handel durch präzisere Warensteuerung weniger Überschüsse erzeugt, retten Tafeln zunehmend größere Chargen direkt bei Herstellern. Um diese Mengen bundesweit zu verteilen, wurde die vorhandene Logistik gezielt erweitert und professionalisiert. Die vom Bund bereitgestellten Mittel dienen jedoch ausschließlich der Verbesserung dieser Infrastruktur.

Ein weiterer Aspekt ist die Altersstruktur im Ehrenamt: 70 Prozent der rund 77.000 Engagierten sind über 63 Jahre alt. Um weiterhin verlässlich arbeiten zu können, werden flexiblere Formen des Engagements und neue Leitungskräfte zunehmend wichtig.

(Quelle: NOZ, 5. Dezember 2025)

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