Unverzichtbar, aber nicht gesichert: Die Zukunft der Schulsozialarbeit
Fachdialog beleuchtet Vergangenheit, Gegenwart und Perspektiven
Am 3. September lud der AWO Kreisverband Harz e.V. zum Fachdialog Schulsozialarbeit in den Gemeinschaftsraum „Luzie Romberg“ des Familien- und Pflegezentrums „Am Kleers“ ein. Anlass war ein besonderes Jubiläum: Mit fünf Schulen bestehen Kooperationen seit über zehn Jahren, mit einer Schule sogar seit mehr als 25 Jahren. Diese lange Zusammenarbeit bot den Rahmen, um gemeinsam zurückzublicken, die aktuelle Situation zu beleuchten und Perspektiven für die kommenden Jahre zu diskutieren.
AWO Geschäftsführer Kai-Gerrit Bädje eröffnete die Veranstaltung, dankte den anwesenden Schulsozialarbeiter*innen sowie Schulleitungen und betonte die Notwendigkeit sozialer Arbeit an Schule. Er machte deutlich, dass Schulsozialarbeit Brücken baut: zwischen Jugendhilfe und Bildung, zwischen Schüler*innen und Lehrkräften, zwischen Herausforderungen im Alltag und passgenauen Lösungen.
Fast alle Fachkräfte des Trägers und Vertreter*innen von acht der zwölf kooperierenden Schulen waren gekommen. Sarah Zschernitz, Bereichsleitung Soziale Arbeit, ordnete in ihrem Input die Entwicklung der Schulsozialarbeit ein: von den ersten Pilotphasen Ende der 1990er-Jahre, über das Landesprogramm Schulerfolg sichern, die ESF-Förderungen und schließlich die bundesweite Verankerung im SGB VIII (§ 13a). Heute ist Schulsozialarbeit im Landkreis Harz fest etabliert – sie begleitet Schüler*innen individuell, bietet Gruppenangebote, leistet Krisenintervention, bindet Eltern ein und ist Teil multiprofessioneller Teams. Gleichzeitig ist sie durch Qualitätsstandards, Dokumentation und klare Kooperationsstrukturen so professionell aufgestellt wie nie zuvor.
Deutlich wurde aber auch: So stabil und selbstverständlich Schulsozialarbeit heute wirkt, so unsicher bleibt ihre Finanzierung. Derzeit ist sie bis Mitte 2028 über ESF+, Land und Kommunen abgesichert – doch eine dauerhafte Verstetigung fehlt. Gemeinsam wurde darüber diskutiert, wie Schulsozialarbeit noch sichtbarer gemacht werden kann: in der Öffentlichkeit, in den Schulen selbst, in Elternabenden, in den lokalen Medien und in der politischen Debatte. Nur wenn ihre Wirkung präsent bleibt, wächst der Druck, endlich über eine langfristige Lösung nach 2028 zu sprechen – jenseits von Projekten und befristeten Programmen.
Dabei wurde auch klar benannt: Eine Verstetigung hängt unmittelbar von politischen Mehrheiten ab. Während sich SPD, Grüne, Linke und auch Teile der CDU für eine Fortführung stark machen, lehnt die AfD Schulsozialarbeit grundsätzlich ab. Sie diffamiert sie öffentlich als „ideologische Experimente“ und fordert ihre Abschaffung. Sollte diese Position politische Wirkung entfalten, droht nicht weniger als der vollständige Rückbau – mit gravierenden Folgen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Schulen.
Der Fachdialog endete mit einem klaren Signal: Schulsozialarbeit ist unverzichtbar. Sie steht für Teilhabe, Prävention und Unterstützung, wo Kinder und Jugendliche sie brauchen. Sie ist in der Praxis gewachsen, sie ist professionell verankert, sie trägt Schulen und Familien. Und sie darf nicht zum Spielball politischer Mehrheiten werden.
Sarah Zschernitz,
Bereichsleitung Soziale Arbeit
