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Wenn Multiple Sklerose alles ändert

Und wie die AWO Frau H. geholfen hat, weiterhin selbstbestimmt zu leben

Die Diagnose Multiple Sklerose kam bei Frau H., einer 64- jährigen Quedlinburgerin, vor ungefähr 20 Jahren – ein schleichender Verlust an Beweglichkeit, Unabhängigkeit, Selbstvertrauen. Als ihr Ehemann an Krebs verstarb kamen Depressionen dazu und sie zog sich immer mehr zurück.

»Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll«, sagt Fr. H. leise, aber bestimmt. »Zwei Jahre ist es nun her, als mich meine Betreuerin auf das Angebot des Ambulant Betreuten Wohnens zur Förderung der seelischen Gesundheit der AWO des Kreisverband Harz e.V. aufmerksam gemacht hat. Zunächst war ich skeptisch. Ich dachte, ich schaffe das doch alles allein. Aber das war ein Trugschluss. Ich zog mich immer mehr zurück, hatte Angst die Wohnung zu verlassen. Wagte ich einen kleinen Weg, stürzte ich immer häufiger.«

Wie sieht es heute aus? Sie lebt weiterhin selbstbestimmt in ihrer kleinen Wohnung. Ein Pflegedienst sichert die medizinische Versorgung.

»Was ich durch das ABW erfahre, ist keine Pflege – es ist menschliche Nähe«, sagt sie. »Die Regelmäßigkeit der Besuche, das Gefühl, gesehen und ernst genommen zu werden, haben mich aus einem dunklen Loch geholt. Ich habe das Lachen zurückgewonnen. Es hat gedauert, bis ich Hilfe annehmen konnte. Zu Beginn habe ich Termine häufig abgesagt. Die Angst hat mir die Luft genommen. Die Bezugsbetreuer des ABW haben mich immer wieder motiviert kleine Wege zu erledigen. Heute weiß ich, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Trotz meiner immer wiederkehrenden Ängste, habe ich ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Wenn es mir gut geht, schaffe ich heute schon kleine Wege ohne Begleitung, zum Beispiel Termine bei der Ergotherapie und Physiotherapie. Sind die Ängste zu stark oder fehlt mir die Motivation, stehen mir die Mitarbeiter der AWO zur Seite und begleiten Facharzttermine, gehen mit mir einkaufen, sind als Gesprächspartner da. Das tut gut und gibt mir Sicherheit und Lebensmut.«

Für das Team der AWO ist Fr. H. kein Einzelfall.

»Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen kämpfen oft mit Isolation«, sagt Frau D., die Frau H. regelmäßig betreut. »Unser Ziel ist es, die Selbständigkeit zu erhalten, die Selbsthilfe zu stärken, aber gleichzeitig ein stabiles Hilfsnetzwerk aufzubauen. Wir helfen dabei, dass die Erkrankung akzeptiert wird, motivieren sie, gesundheitsförderliche Maßnahmen dauerhaft einzuhalten.«

Frau H. spricht heute sogar wieder von kleinen Träumen: Eine Freundin, mit der sie sich treffen und austauschen kann, sie möchte mal wieder den Marienhof in Neinstedt besuchen, und natürlich weiterhin selbstbestimmt in ihrer kleinen Wohnung leben.

»Ich habe gelernt, dass es nicht nur ums Überleben geht«, sagt sie mit einem Lächeln, »sondern, um Leben selbst. Das ABW ist für mich ein Lichtblick geworden – ein Fenster nach draußen, wenn meine Welt wieder kleiner wird.«

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