Zirkusfieber in der Marktgrundschule Quedlinburg
Der Mitmachzirkus „Trommelwirbel“ verwandelt die Pfingstferien in eine abenteuerliche Manege
Während andere Kinder in den Ferien ausschlafen, verreisen oder einfach einmal die Füße hochlegen, machten einige Quedlinburger Kinder lieber Zirkus. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinne, sondern wirklich und wahrhaftig: mit Jonglage, Seiltanz, Tuchakrobatik, Musik und jeder Menge Mut.
In den Pfingstferien war der Mitmachzirkus „Trommelwirbel“ zu Gast in der Marktgrundschule Quedlinburg. Kinder aus verschiedenen Schulen der Stadt erhielten dort die Gelegenheit, eine Woche lang in die schillernde Welt des Zirkus einzutauchen. Das Zirkusprojekt wird im Rahmen des Programms „Tafel-Bildungschancen“ von Tafel Deutschland, dem Dachverband der Tafeln, gefördert.
Eine Turnhalle wird zur Manege
Schon beim Betreten der Sporthalle war klar: Hier würde in dieser Woche kein gewöhnlicher Sportunterricht stattfinden. Die Halle hatte sich in eine farbenfrohe, geheimnisvolle und abenteuerliche Manege verwandelt. Die geschmückten Wände erinnerten an ferne Länder und an jene zauberhafte Zirkuswelt, die man sonst nur aus Filmen und Geschichten kennt.
Die fantasievolle Dekoration machte neugierig und lud dazu ein, Neues zu entdecken. Und mittendrin im bunten Geschehen bewegte sich Zirkuspädagoge und Clown Caro Curioso.
Unter der Anleitung erfahrener Zirkuspädagog*innen konnten die Kinder verschiedene Disziplinen ausprobieren und herausfinden, welche besonderen Talente in ihnen schlummerten. Dabei zeigte sich schnell: Im Zirkus braucht es nicht nur Geschicklichkeit, sondern auch Geduld, Ausdauer und manchmal eine ordentliche Portion Überwindung.
Eine ziemlich runde Herausforderung
Besonders auffällig waren die riesigen, farbigen Kugeln, auf denen die Kinder das Balancieren lernten. Wer schon einmal versucht hat, auf einem rollenden Gegenstand stehen zu bleiben, kann sich ungefähr vorstellen, wie leicht das aussah und wie schwierig es tatsächlich war.
Zu Beginn hielten sich die Nachwuchsartist*innen noch vorsichtig fest. Doch Versuch für Versuch wurden ihre Bewegungen sicherer. Schon bald standen einige Kinder ganz frei auf den Kugeln. Ein Kunststück, das nicht nur Gleichgewicht, sondern auch Mut und höchste Konzentration erforderte.
Währenddessen flogen an anderer Stelle Tücher, Kegel, Bälle und weitere Jongliergegenstände durch die Luft. Zugegeben: Nicht alles landete sofort dort, wo es sollte. Doch genau darum ging es. Die Zirkuspädagog*innen vermittelten den Kindern, dass auch scheinbar unmögliche Aufgaben bewältigt werden können, wenn man nicht gleich nach dem ersten Versuch aufgibt.
So wurde aus einem heruntergefallenen Ball kein Misserfolg, sondern einfach der Anfang des nächsten Versuchs. Schritt für Schritt wurden die Bewegungen flüssiger. Jeder kleine Fortschritt sorgte für neue
Motivation und zauberte nicht nur den Kindern, sondern auch den Zirkuspädagog*innen ein Lächeln ins Gesicht.
Hoch hinaus bei der Tuchakrobatik
Wer die Balancekugeln bereits beeindruckend fand, machte vor der Turnhalle erst recht große Augen. Dort ging es bei der Tuchakrobatik hoch hinaus.
An langen Tüchern arbeiteten sich die jungen Zirkuskünstler*innen Stück für Stück nach oben. Sie übten Drehungen, verschiedene Figuren und elegante Abgänge. Manchmal glitten sie sogar kopfüber wieder nach unten. Das sah mühelos aus, verlangte den Kindern aber einiges an Kraft, Körperspannung und Konzentration ab.
Nicht jedes Kunststück war für jedes Kind gleichermaßen geeignet. Dennoch ließen sich die Teilnehmer*innen nicht entmutigen. Sie probierten aus, arbeiteten sich in ihrem eigenen Tempo voran und unterstützten sich gegenseitig. So konnte jedes Kind persönliche Erfolge feiern, unabhängig davon, wie hoch es am Ende hinausging.
Wenn der wilde Zirkuschor loslegt
Zu einer richtigen Zirkusvorstellung gehören natürlich nicht nur Artistik und atemberaubende Kunststücke. Auch ein musikalisches Unterhaltungsprogramm stand auf dem Probenplan.
Eine Schülerin erhielt dabei eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe: Als strenge Dirigentin sollte sie einen ziemlich wilden Haufen illustrer Sänger*innen anleiten. Leise und zurückhaltend ging es dabei eher selten zu.
Natürlich verliefen die Proben nicht völlig ohne Pleiten, Pech und Pannen. Einige davon wurden von einem der Clowns mit großem Vergnügen und viel komödiantischem Talent inszeniert. Mit Witz, Einfallsreichtum und vollem Körpereinsatz entstand schließlich eine ganz eigene Interpretation des Klassikers „When the Saints Go Marching In“.
Dabei wurde es so laut und lebendig, wie es sich für eine echte Zirkuskapelle gehört. Alle Kinder brachten ihre Ideen ein, sangen, spielten und probierten gemeinsam aus. Am Ende des Tages konnten sie zufrieden auf das schauen, was sie zusammen auf die Beine gestellt hatten.
Endlich heißt es: Manege frei!
Am Samstag, dem 30. Mai, war schließlich der große Tag gekommen. Um 15 Uhr sollte die Vorstellung vor Publikum beginnen.
Vor dem Auftritt war die Aufregung deutlich zu spüren. Die Abläufe wurden noch einmal besprochen, letzte Unsicherheiten beseitigt und gegenseitig Mut zugesprochen. Dann hieß es endlich: „Manege frei!“ für die jungen Artist*innen.
Nun konnten die Kinder zeigen, was sie während der Projektwoche gelernt hatten. Sie balancierten, jonglierten, tanzten auf dem Seil, kletterten an den Tüchern empor und sorgten mit ihrem musikalischen Programm für beste Unterhaltung.
Das Publikum staunte, lachte und fieberte mit. Schnell wurde deutlich, dass die Kinder weitaus mehr einstudiert hatten als ein bisschen Hüpfen und Trällern. Hinter jedem Programmpunkt steckten viele Übungsstunden, zahlreiche Versuche und eine Menge Durchhaltevermögen.
Und tatsächlich funktionierte bei der Aufführung fast alles wie geplant. Selbst kleinere Missgeschicke wurden von den jungen Artist*innen so geschickt überspielt, dass das Publikum vermutlich überzeugt war: Das musste genauso sein.
Großer Applaus für kleine und große Erfolge
Am Ende der Vorstellung waren die Kinder zu Recht stolz auf ihre Leistungen. Das Publikum belohnte ihren Einsatz mit Begeisterung, Staunen, Lachen und vor allem mit ganz viel Applaus.
Auch Clown Caro Curioso zeigte sich sehr stolz auf seine Nachwuchskünstler*innen. Schließlich hatten die Kinder in nur einer Woche nicht nur verschiedene Zirkusdisziplinen kennengelernt. Sie hatten erfahren, wie viel sie erreichen können, wenn sie mutig bleiben, geduldig üben und sich gegenseitig unterstützen.
Die Projektwoche bewies damit eindrucksvoll: Zirkus ist nicht nur eine bunte Show. Zirkus bedeutet auch, über sich hinauszuwachsen, gemeinsam Herausforderungen zu meistern und aus einem anfänglichen „Das kann ich niemals!“ irgendwann ein selbstbewusstes „Schaut mal, was ich kann!“ zu machen.
Mandy Politz
Fachassistentin der Geschäftsführung
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