Trägerverbund zukunftsfähig gestalten
Familien- und Beratungsstellen im Harz
Im Landkreis Harz existieren drei Erziehungs- und Familienberatungsstellen, die unter der Trägerschaft der AWO, der Diakonie sowie der Parität an vier Standorten im Landkreis vertreten sind. So können die Berater*innen in Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg Ratsuchende bei Ihren Fragen, Problemen und Anliegen unterstützen. Nach anfänglichem fachlichen Austausch, der bereits seit vielen Jahren besteht, widmeten die Leitungsbereiche sowie Mitarbeitenden der Beratungsstellen sich immer mehr dem Prozess des Zusammenwachsens. Wie sinnhaft scheint es, im Landkreis als Verbund aufzutreten? Welchen Nutzen kann eine intensive Zusammenarbeit für die Klient*innen, die Berater*innen, aber auch für Netzwerkpartner haben? Welcher Verlust könnte daraus auch entstehen?
Es ist den Verbundsleiter*innen gelungen, eine gemeinsame Leistungsbeschreibung zu verfassen und damit in die Verhandlungen mit dem Landkreis zu gehen. Erstmalig ist eine gemeinsame Finanzierung gelungen, die zur Folge hat, dass die Beratungsstellen unter einem Verbund zu verstehen sind.
So steht es zumindest im Kooperationsvertrag. Wie füllt sich dieser Verbund jedoch seitdem mit Leben? Maßgeblich zu einer Zusammenarbeit beigetragen hat das Digitalisierungsprojekt TOAB, das sich über drei Jahre von 2020 bis 2023 erstreckte. Hier wurden gemeinsame Abläufe besprochen und digitale Instrumente entwickelt. Seit dieser Zeit sind die Erziehungsberatungsstellen unter einer gemeinsamen Hotline zu erreichen, um damit eine höchstmögliche Erreichbarkeit für die Ratsuchenden im Landkreis zu ermöglichen. Die Hotline wird durch die Teamassistentinnen der Beratungsstellen gleichermaßen besetzt. Darüber kann es Klient*innen gelingen, einen ortsübergreifenden Termin zu vereinbaren. Dazu dient ein Terminvergabesystem, das in den Beratungsstellen einheitlich verwendet und für die Terminvergabe den Teamassistentinnen zugänglich ist.
Darüber hinaus gestalten die Mitarbeiter*innen jährlich zwei gemeinsame Dienstberatungen, die dem organisatorischen und fachlichen Austausch dienen. Es finden gemeinsame jährliche Inhouse-Fortbildungen und Teamtage statt. Arbeitsgruppen zu verschiedenen fachlichen Themen wurden gebildet, eine gemeinsame Homepage sowie Flyer sind in Arbeit.
Was sich jetzt so einfach niederschreiben lässt, fühlt sich jedoch nicht immer so „einfach“ in der Umsetzung an. So wechseln sich motivierter Tatendrang und zweifelnde Skepsis ab. Es spielen Lust auf Weiterentwicklung sowie Verlust von bisher Gelebten und Abschied von mühsam entwickelten Abläufen eine Rolle. Wie schafft man es, das Bestehende zu überdenken, ohne zu vergessen, es genügend zu wertschätzen? Wie gelingt die Verschmelzung zu einem großen Ganzen, ohne dabei die Individualität zu verlieren?
Auf jeden Fall lässt sich sagen, der Prozess bedarf viel Geduld und Beharrlichkeit, zusätzlich die Gelassenheit, das alt Bewährte gut sein zu lassen. Es bedarf einer gemeinsamen Vision und den Mut, das Gute in zukunftsorientierten Prozessen zu sehen. Und es braucht eine Verbundsleitung, die davon überzeugt ist, dass es ein guter Weg ist und die den Trägerverbund in ihrer Geschwindigkeit wachsen lässt.
