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Wegbegleiter im Sozialdschungel:

Seit April 2026 bietet die AWO in ihren Kreisverbänden im Harz und im Salzlandkreis ein neues Projekt an. Die Allgemeine unabhängige Sozialberatung (AuSB) ist an den Start gegangen. Diese niedrigschwellige Vermittlungsberatung soll Menschen unterstützen, die für sie passenden Unterstützungsangebote zu finden. Worum geht es dabei eigentlich genau? An wen können sich Bedürftige wie wenden? Und wie geht es mit dem Projekt weiter? Andrea Zieprich – Ansprechpartnerin für die Beratung in Schönebeck – beantwortet alle Fragen.

Bei Fragen zu Unterstützung durch Behörden und Ämter kann es schnell viele Fragen geben, viele Menschen wissen nicht, wo sie sich hinwenden sollen. Was ist die allgemeine unabhängige Sozialberatung und warum braucht es sie?

Andrea Zieprich: Wir verstehen uns als Wegbereiter im „Sozialdschungel“. Viele Menschen, die in Armut geraten, wissen nicht, welche Hilfen ihnen zustehen oder wie sie diese beantragen können. Uns geht es vor allem darum, Ratsuchende gegebenenfalls an die passenden spezialisierten Fachberatungsstellen weiterzuleiten und sie auf dem Weg dorthin zu unterstützen.Die Anträge werden immer komplexer, Bescheide sind oft schwer verständlich. Wir unterstützen bei Anträgen für Jobcenter, Sozialamt oder Wohngeldbehörde und helfen dabei, Bescheide zu verstehen.

Verlangen Sie von den Menschen einen Nachweis der Bedürftigkeit?

Beim Erstkontakt schildern die Menschen zunächst ihr Anliegen. Für weitere Gespräche bringen sie die notwendigen Unterlagen mit. Grundsätzlich kann jede und jeder zu uns kommen. Allerdings ist das Projekt eng an die Tafeln im Salzlandkreis und im Harz angebunden, da wir dort viele Menschen mit Unterstützungsbedarf erreichen.

Das wichtige Angebot kann für viele Menschen eine große Hilfe sein. Wo findet man Sie?

Aktuell bin ich einmal pro Woche während der Öffnungszeiten der Tafel in Schönebeck vor Ort und stehe für Erstgespräche zur Verfügung. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf Schönebeck und Quedlinburg. Ab 2027 sollen weitere Tafelstandorte im Salzlandkreis und Harz stärker eingebunden werden. In Quedlinburg finden Sie die Bereatungsstelle in der Weberstraße 22.

Wann findet die Beratung statt? Gibt es bestimmte Bürozeiten?

Feste Bürozeiten gibt es derzeit nicht. Wir vereinbaren individuelle Termine, die aktuell meist noch zeitnah möglich sind. Wichtig ist: Die Beratungen finden in Räumen statt, die sich in der Nähe der Tafeln befinden. Dabei wird natürlich darauf geachtet, dass die Gespräche in einem geschützten Rahmen stattfinden. Hausbesuche bieten wir nicht an. Beim AWO Kreisverband Harz ist die Ansprechpartnerin Frau Anja Müller-Cajar. Termine können unter der Telefonnummer +49 152 02 15 01 33 oder per Email an wegbegleiter@awo-harz.de vereinbart werden.

Welche Themen bringen die Klient*innen mit? Was beschäftigt sie?

Häufig beginnt es mit einem vermeintlich kleinen Problem, hinter dem sich größere Schwierigkeiten verbergen. Viele suchen erst Hilfe, wenn die Situation bereits sehr belastend ist. Oft geht es um Bescheide des Jobcenters, Neuanträge oder Fragen beim Übergang in den Ruhestand. Die Anträge werden immer umfangreicher. Auch digitale Anträge stellen besonders ältere Menschen vor Herausforderungen. Das Jobcenter unterstützt unser Angebot, weil dadurch Beratungszeiten dort reduziert werden. Wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden.

Es braucht sicher vor allem schnelle finanzielle Hilfen …

Ja. Allerdings benötigen Behörden für die Bearbeitung oft ein bis zwei Wochen.

Seit wann läuft die Beratung schon und wie lange ist das Projekt angelegt?

Das Projekt wird zu 90 Prozent von der Deutschen Fernsehlotterie finanziert, die übrigen zehn Prozent tragen die AWO-Kreisverbände Harz und Salzlandkreis. Insgesamt stehen rund 252.000 Euro zur Verfügung. Zuwendungsempfänger ist der AWO Kreisverband Harz. Die dortige Projektmanagerin Jessica Wolter konnte erfolgreich die Notwendigkeit der Beratungsleistung gegenüber der Fernsehlotterie darstellen. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und startete am 1. April 2026.

Im ersten Quartal haben wir Kontakte zu bestehenden Beratungsstellen aufgebaut. Unsere Aufgabe ist die niedrigschwellige Unterstützung beim Verstehen von Bescheiden und beim Ausfüllen von Anträgen zu geben. Gleichzeitig vermitteln wir bei speziellen Problemen an Fachberatungsstellen, etwa zu den Themen Schulden oder Migration.

Sie sind also eine Art Erstkontakt?

Genau. Oft folgen weitere Termine. Da geht es zum Beispiel um Stromsperren, Mietschulden oder ähnliche existenzielle Probleme.

Aber Sie wollen die Menschen befähigen, später nicht mehr zu Ihnen kommen zu müssen?

Ja. Die unabhängige Sozialberatung versteht sich ausdrücklich als Hilfe zur Selbsthilfe.

Wie viele Klient*innen gab es bisher?

Seit Juli habe ich knapp 75 Gespräche mit 34 Klient*innen geführt. Im Durchschnitt sind es also zwei bis drei Gespräche pro Person.

Wie kommt der Kontakt zustande?

Wir informieren über Flyer, die Webseiten der Tafeln im Harz und Salzlandkreis sowie durch persönliche Empfehlungen. Außerdem haben wir das Projekt in Selbsthilfegruppen vorgestellt. Auch Mitarbeitende anderer AWO-Angebote wie der Suchtberatung, des ambulant betreuten Wohnens oder der pädagogischen Familienhilfe weisen bei Bedarf auf unser Angebot hin.

Sollen zukünftig auch darüber hinaus Klient*innen angesprochen werden?

Ja. Kürzlich haben wir das Angebot bei einer Informationsveranstaltung mit Vertretern der Stadtverwaltungen, dem Jobcenter, anderen Trägern, berufsbildenden Schulen und anderen Kooperationspartnern vorgestellt. Im kommenden Jahr soll die Beratung auf weitere AWO-Tafelstandorte im Salzlandkreis und Harz ausgeweitet werden. Der potenzielle Kreis an Menschen mit Bedarf nach der Sozialberatung ist sehr groß.

Bisher werden die unabhängigen Sozialberatungen im Harz und im Salzlandkreis von jeweils einer hauptamtlichen Mitarbeiterin durchgeführt. Braucht es weitere Mitarbeitende?

Aktuell sind drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen im Projekt tätig, eine Projektleitung und zwei Regionalkoordinatorinnen an den jeweiligen Standorten. Langfristig möchten wir zusätzliche Ehrenamtliche gewinnen. Das ist jedoch anspruchsvoll, da rechtliches Wissen und pädagogische Grundkenntnisse erforderlich sind. Denkbar sind beispielsweise ehemalige Lehrkräfte oder frühere Mitarbeitende von Jobcentern. Erste Kontakte konnten bereits geknüpft werden.

Wie läuft der Austausch mit dem Harz?

Sehr gut. Meine Kollegin Anja Müller-Cajar und ich stehen regelmäßig per Telefon und E-Mail in Kontakt. Darüber hinaus stimmen wir uns stetig mit unserer Projektleitung Sarah Zschernitz aus dem AWO Kreisverband Harz ab. Einmal im Monat findet zudem eine gemeinsame Dienstberatung statt.

Wie sind Sie selbst zur unabhängigen Sozialberatung gekommen?

Zuvor war ich Leiterin einer AWO-Pflegeeinrichtung in Barby. Die AWO-Kreisgeschäftsführerin im Salzlandkreis Ines Grimm-Hübner sprach mich auf die Stelle an. Die Aufgabe hat mich sofort interessiert. Die Arbeit macht großen Spaß, ich bin mit dem Herzen dabei. Wichtig ist es, die Menschen in ihrer Not nicht allein zu lassen und gemeinsam nach einem Ausweg zu suchen. Es tut gut, Menschen helfen zu können. Es ist sehr schön, die Freude und die Dankbarkeit der Menschen zu spüren.

Das Angebot des AWO Kreisverband Harz e.V.:

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