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12 Jahre AWO Kindertagesstätte Kinderhaus an der Ilse

Eine ganz persönliche Geschichte

Zum letzten Kindergartentag ihrer jüngsten Tochter haben uns Eltern einen Brief geschrieben. Einen Brief über zwölf Jahre AWO Kinderhaus an der Ilse. Beim Lesen wird schnell klar: Zwölf Jahre Kita sind nicht einfach zwölf Jahre Betreuung. Es sind zwölf Jahre voller Erinnerungen, Veränderungen, kleiner und großer Abenteuer, schöner Momente, Sorgen, Tränen und ganz viel gemeinsamer Zeit.

Angefangen hat alles vor ziemlich genau zwölf Jahren. Die Eltern standen damals frisch schwanger und voller Aufregung auf dem Parkplatz vor unserer Kita. Es war ihr erstes Kind und für sie stand bereits fest, dass dieses kleine Wunder zu uns ins Kinderhaus kommen sollte. Auch der Papa war schon als Kind bei uns gewesen und so sollte eines Tages auch sein eigenes Kind durch unsere Türen gehen.

Im Oktober 2015 betrat die Familie zum ersten Mal gemeinsam unseren Eingangsbereich und wurde von der Herzlichkeit und Freude, die ihnen entgegengebracht wurde, überwältigt. Die Eingewöhnung selbst verlief unkompliziert. Das Kind war offen und neugierig auf die neuen Kinder und Spielgeräte, und die ersten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Erst als die Eingewöhnung abgeschlossen war, wurde es emotional schwierig. Denn nun bedeutete der morgendliche Abschied tatsächlich, dass Mama ging und das Kind alleine in der Kita blieb. Es flossen viele Tränen - auf beiden Seiten. Und doch war von Anfang an dieses Vertrauen da: Das eigene Kind ist hier gut aufgehoben.

Mit der Zeit wurden aus den anfangs vielleicht aufregenden Kita-Morgen ganz selbstverständlich die kleinen Momente, die später einmal zu den wertvollsten Erinnerungen werden. Die ersten Schritte wurden bei uns gemacht, erste Farben gelernt und stolz zu Hause gezeigt. Der erste und zweite Geburtstag wurde mit den kleinen Freunden in der Krippe gefeiert. Und irgendwann kam der nächste große Schritt: der Wechsel in den Kindergarten.

Auch dieser Übergang brachte Neues mit sich. Nicht alles war sofort einfach. Es galt, sich gegen die Älteren zu behaupten, neue Beziehungen aufzubauen und viele neue Dinge zu entdecken und zu lernen. Besonders gerne wurde Zeit im Bastelraum verbracht, wo schon früh die Fingerfertigkeit gefördert wurde. Und dann gab es da noch diesen einen ganz besonderen kreativen Einfall: den Versuch, die eigenen Haare abzuschneiden - ausgerechnet kurz bevor der Fotograf kam. Die daraus entstandenen Bilder sind bis heute eine besondere Erinnerung und werden von der Familie noch immer mit einem Lächeln angeschaut.

Während aus kleinen Freundschaften große Freundschaften wurden und neue Kinder und Wegbegleiter hinzukamen, veränderte sich auch das Familienleben. Aus den Krümeln wurden die Krümelmonster. Und während die Kinder größer wurden, wuchsen auch die Eltern ein Stück mit.

Dann kam die freudige Nachricht: Die Familie erwartete ein zweites Kind. Auch bei uns wurde diese Nachricht mit Freude aufgenommen. Im Januar wurde das Geschwisterkind geboren und schnell war klar: Auch das zweite Kind sollte seinen Weg bei uns im Kinderhaus beginnen.

Doch kaum war dieses neue Familienglück angekommen, veränderte sich die Welt plötzlich grundlegend. Corona kam. Das ältere Kind durfte drei Monate lang nicht in den Kindergarten gehen. Was zunächst vielleicht noch wie eine besondere Auszeit wirkte, wurde mit der Zeit zu einer sehr schweren Erfahrung. Die Freunde fehlten, das Kinderhaus fehlte und damit ein Stück vertrauter Alltag. Zu Hause wurde gebastelt und gemalt, es wurden Spaziergänge gemacht, Karten geschrieben und Bilder gestaltet. Die Familie versuchte, den Alltag so schön wie möglich zu gestalten. Aber eine frischgebackene zweifache Mutter konnte natürlich weder das Kinderhaus noch die Freunde ersetzen.

Umso größer war die Freude, als der Kindergarten schließlich wieder öffnen durfte. Gleichzeitig begann damit eine neue Zeit, in der sich alle an veränderte Regeln, neue Abläufe und ungewohnte Situationen gewöhnen mussten. Und während sich das ältere Kind langsam wieder in den Kita-Alltag einfinden konnte, stand für die Familie bereits der nächste große Schritt bevor: die Eingewöhnung des jüngeren Kindes.

Im Sommer begann auch für das Geschwisterkind die Zeit im Kinderhaus. Die ersten Tage waren geprägt von neuen Eindrücken, neuen Gesichtern und dem allmählichen Vertrautwerden mit der neuen Umgebung. Auch diese Eingewöhnung verlief gut und doch bedeutete der Abschied am Morgen auch dieses Mal Gefühle. Das Kind wusste genau, wann Mama ging und dass sie erst am Nachmittag wiederkommen würde. Für die Mutter war es schwer, das eigene Kind weinen zu sehen. Gleichzeitig war da das Wissen und das Vertrauen, dass auch ihr jüngstes Kind bei uns gut aufgehoben war.

Und so kehrten nach und nach die ganz normalen Kita-Tage ein: draußen spielen, neue Spiele entdecken, Bilder malen, stolz etwas präsentieren, klettern, laufen und immer selbstständiger werden. Aus neuen Eindrücken wurden vertraute Abläufe, aus ersten Kontakten wurden Freundschaften und aus einem kleinen Kind wurde Schritt für Schritt ein großes Kindergartenkind.

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit verging. Schon im Sommer darauf stand der erste Abschied bevor. Der erste Schritt Richtung Schule rückte näher. Die Kinder wurden zu den Großen, übernahmen mehr Verantwortung und bereiteten sich auf viele neue Dinge vor. Doch zwischen all den schönen Erinnerungen gab es auch einen Tag, der der Familie sicherlich für immer in Erinnerung bleiben wird.

Beim Abholen des jüngsten Kindes hielten sich beide noch gemeinsam in der Einrichtung auf. Doch plötzlich war das Kind nicht mehr dort, wo die Mutter es erwartete.

Für die Mutter war es ein Moment großer Angst und Unsicherheit. Gleichzeitig erlebte sie unmittelbar, dass sie mit dieser Situation nicht allein war. Die Mitarbeitenden des Kinderhauses unterstützten sie sofort bei der Suche. Auch andere Eltern, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Einrichtung befanden, halfen spontan mit. Gemeinsam wurden die Räumlichkeiten abgesucht und die Suche immer weiter ausgeweitet. Schließlich wurde auch die Polizei verständigt. Mitarbeitende und weitere Helfende suchten die Umgebung ab, unter anderem die Straßen und den Bereich an der Ilse. Für die Eltern waren es bange Minuten, in denen die Gedanken schnell zu den schlimmsten Möglichkeiten wandern. Dann endlich die große Erleichterung: Das Kind wurde in der Turnhalle gefunden. Der Grund für das Verstecken war im Nachhinein ganz banal. Es war zu einem kleinen Malheur gekommen und das Kind hatte sich aus Scham zurückgezogen.

Eine Situation, die damals ganz sicher überhaupt nicht lustig war und für die Eltern mit großer Angst verbunden war. Gleichzeitig zeigte dieser Moment auch, wie schnell Menschen zusammenrücken können: Mitarbeitende und andere Eltern waren sofort da, halfen bei der Suche und standen der Mutter in dieser schwierigen Situation zur Seite.

Heute ist es eine dieser Geschichten, die man wohl niemals vergisst. Eine Geschichte, die damals ganz anders erlebt wurde als heute und die dennoch untrennbar zu zwölf Jahren Kinderhaus gehört.

Doch das Aufwachsen eines Kindes besteht eben nicht nur aus einzelnen großen Ereignissen. Es sind vor allem die vielen kleinen Schritte dazwischen, die zeigen, wie sehr sich ein Kind verändert.

Das jüngste Kind fand neue Freundschaften, wurde immer selbstständiger, lernte laufen und klettern, sprach seine ersten kleinen Sätze und entwickelte sich schließlich zu einem der großen Kindergartenkinder. Und genau in diese Zeit fiel eine weitere schwierige Phase: die Schimmelproblematik im Kinderhaus.

Die Familie erlebte mit, wie Räume gesperrt wurden und die Situation sogar in den Medien auftauchte. Andere Eltern bekamen Angst und entschieden sich dafür, ihre Kinder in andere Kindergärten zu bringen. Diese Familie blieb. Sie blieb aus Überzeugung.

Doch auch diese Phase ging vorüber. Nach und nach kehrte wieder mehr Normalität ein. Und auch bei den Kindern zeigte sich, dass sich vieles weiterentwickelt hatte. Aus dem Kind, das anfangs noch am Fenster stand und Mama hinterherwinkte, wurde ein Kindergartenkind, das immer selbstständiger seinen eigenen Weg ging. So vergingen die Jahre. Und natürlich gehörten auch weiterhin die ganz normalen Kita-Situationen dazu: Anrufe, weil ein Kind krank ist oder Fieber hat, kleine Unfälle, Tränen, Kühlakkus, Aufregung, Lachen und immer wieder diese kleinen Momente, die den Alltag mit Kindern ausmachen. Bis schließlich sogar in der letzten Kindergartenwoche noch ein Sturz dazukam.

Vielleicht ist gerade das ein passendes Bild für zwölf Jahre Kinderhaus: Es war nicht jeden Tag alles leicht. Es gab Freudentränen und Abschiedstränen, spannende Tage und herausfordernde Situationen, Sorgen und Erleichterung. Und dazwischen unzählige ganz normale Tage, die man im Moment vielleicht gar nicht als besonders wahrnimmt, die aber später genau das sind, woran man sich erinnert.

Wenn man zwölf Jahre Kinderhaus Revue passieren lässt, wird deutlich, wie unglaublich viel in dieser Zeit passiert ist: Erste Schritte. Erste Farben. Geburtstage. Freundschaften. Basteln. Klettern. Lachen. Weinen. Eingewöhnungen. Abschiede. Corona. Ein Kind, dass während der Abholsituation plötzlich nicht auffindbar war und glücklicherweise wiedergefunden wurde. Gesperrte Räume. Neue Regeln. Neue Gruppen. Neue Freunde. Neue Herausforderungen.

Und mittendrin immer wieder die ganz normalen Tage, aus denen am Ende Kindheit besteht.

Die Eltern schreiben in ihrem Brief auch darüber, dass wir nicht nur ihre Kinder auf ihrem Weg begleitet haben, sondern auch sie selbst ein Stück weit als Eltern.

Vielleicht ist genau das nach zwölf Jahren besonders schön zu erkennen: Während die Kinder gewachsen sind, hat sich auch die Familie verändert. Aus Eltern, die einst mit ihrem ersten Kind voller Aufregung vor unserer Kita standen, wurden Eltern von zwei Kindern, die nun auf zwölf gemeinsame Jahre zurückblicken. Zwölf Jahre sind eine lange Zeit.

Menschen sind gekommen und gegangen, neue Kinder wurden aufgenommen, neue Kolleginnen und Kollegen kamen dazu. Räume haben sich verändert, Abläufe haben sich verändert und auch die Welt um uns herum hat sich verändert. Und trotzdem blieb für diese Familie über all die Jahre das Gefühl, gut aufgehoben gewesen zu sein.

Besonders schön ist dabei die Anerkennung dafür, dass der Beruf der Erzieherinnen und Erzieher so viel mehr ist, als mit Kindern zu malen, zu tanzen, zu toben, Blödsinn zu machen, Tränen zu trocknen, Kühlakkus zu reichen oder Essen zu verteilen. Es geht um sehr viel mehr. Um ein intaktes Herz. Darum, Kinder ernst zu nehmen, ihnen Sicherheit zu geben, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten und ihnen auch in schwierigen Momenten zur Seite zu stehen.

Und es geht darum, gemeinsam mit Familien durch die vielen kleinen und großen Situationen des Alltags zu gehen - durch Freude und Sorgen, durch Abschiede und Neuanfänge, durch schöne und manchmal auch herausfordernde Zeiten.

Nach zwölf Jahren ist nun auch für das jüngere Kind die Zeit bei uns zu Ende. Und vielleicht ist genau das das Besondere an diesem Brief: Er erzählt nicht von einer perfekten Kita-Zeit. Er erzählt von einer echten Kita-Zeit. Von schönen Tagen und schwierigen Tagen. Von Momenten, die damals Sorgen bereitet haben und heute zu Erinnerungen geworden sind. Von Kindern, die klein zu uns kamen und uns nun ein großes Stück größer wieder verlassen.

Für uns ist dieser Rückblick ein ganz besonderes Geschenk. Denn zwölf Jahre AWO Kinderhaus an der Ilse bedeuten in diesem Fall nicht einfach zwölf Jahre Betreuungszeit. Sie bedeuten zwölf Jahre gemeinsam erlebte Kindheit.

Danke für das Vertrauen, für die vielen gemeinsamen Erlebnisse und für diesen ganz persönlichen Rückblick auf eine kunterbunte Zeit. Wir werden uns gerne daran erinnern.

Stephanie Müller

Leitung "Kinderhaus an der Ilse"

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