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Wenn aus Festivalresten wertvolle Hilfe wird

Schülerinnen und Schüler sammeln beim Rockharz Lebensmittel, Schlafsäcke und Zelte für Menschen in schwierigen Lebenslagen

Wo Anfang Juli noch Gitarrenriffs über das Festivalgelände hallten und 25.000 Musikfans gemeinsam feierten, begann nach dem Rockharz in Ballenstedt eine besondere Form der Hilfe: Das Wolterstorff-Gymnasium sammelten Lebensmittel, Schlafsäcke und Zelte, die von den Festivalbesuchern nicht mehr benötigt wurden. Ein Teil der Spenden kam in diesem Jahr der „Tafel Quedlinburg|Halberstadt|Wernigerode“ zugute.

Die Sammelaktion fand im Rahmen des Projekts „Rock’n’Recycle“ statt, das von der Lehrerin Doreen Wölfer geleitet wird. Insgesamt waren 20 engagierte Helferinnen und Helfer beteiligt. Neben der aktuellen 11. Klasse wirkten auch ehemalige Schülerinnen und Schüler des Wolterstorff-Gymnasiums mit. Gemeinsam nahmen sie die zurückgelassenen oder bewusst gespendeten Waren entgegen, prüften deren Zustand und sortierten sie für die Weitergabe an gemeinnützige Einrichtungen.

Was für manche Festivalbesucher nach mehreren Tagen voller Musik lediglich unnötiges Gepäck darstellt, kann für andere Menschen eine wertvolle Unterstützung sein. Gesammelt wurden unter anderem Konserven, Brot, alkoholfreie Getränke, Snacks und Fertiggerichte. Dabei handelte es sich um haltbare oder noch einwandfreie Lebensmittel, die nach dem Festival übriggeblieben waren und andernfalls möglicherweise entsorgt worden wären.

Auch die Gastgeber des Rockharz beteiligten sich an der Aktion. Festivalveranstalterin Daniela Glogner stellte zusätzlich übrig gebliebene Gastronomiewaren aus dem Crew- und Bandcatering zur Verfügung. So wuchs aus vielen einzelnen Beiträgen eine umfangreiche Lebensmittelspende, die nun Menschen aus Ballenstedt zugutekommt.

Direkte Hilfe für Familien aus Ballenstedt

Die gespendeten Lebensmittel werden über die Tafel an ihre Kundinnen und Kunden aus Ballenstedt ausgegeben. Derzeit nehmen dort rund 70 gemeldete Haushalte mit insgesamt etwa 150 Menschen das Hilfsangebot in Anspruch. Unter ihnen sind 65 Kinder.

Diese Zahlen zeigen, wie wichtig die Spende für die Region ist. Hinter jedem Haushalt stehen Menschen, deren finanzielle Mittel kaum oder nicht ausreichen, um die alltäglichen Ausgaben zu bewältigen. Besonders Familien geraten angesichts steigender Lebenshaltungskosten zunehmend unter Druck. Lebensmittelspenden können ihre Situation nicht grundsätzlich verändern, sie schaffen jedoch eine spürbare Entlastung im Alltag.

Die Aktion verbindet dabei ökologische und soziale Verantwortung auf besonders wirkungsvolle Weise: Noch verwendbare Lebensmittel werden nicht verschwendet, sondern gelangen genau dorthin, wo sie dringend gebraucht werden. Aus den Überbleibseln eines Festivalwochenendes entsteht so ganz konkrete Hilfe.

Schutz und ein Stück Sicherheit

Neben Lebensmitteln sammelten die Schüler auch Schlafsäcke und Zelte. Diese werden ebenfalls geprüft und anschließend an gemeinnützige Organisationen weitergegeben. Unter anderem sollen sie wohnungslosen Menschen zur Verfügung gestellt werden.

Ein Zelt ersetzt keine Wohnung und ein Schlafsack keinen sicheren Schlafplatz. Für Menschen, die ohne festen Wohnraum leben, können solche Ausrüstungsgegenstände dennoch einen wichtigen Schutz vor Kälte, Wind und Nässe bieten. Die Sachspenden lindern damit zumindest einen Teil der unmittelbaren Not und geben Gegenständen, die sonst möglicherweise auf dem Festivalgelände zurückgeblieben wären, einen sinnvollen neuen Zweck.

Rockmusik trifft gesellschaftliche Verantwortung

Das Rockharz zählt zu den großen Rock- und Metalfestivals Deutschlands. In diesem Jahr standen unter anderem Rocklegende Alice Cooper, Subway to Sally, Feuerschwanz und die bei jungen Metal-Fans beliebten Heavysaurus auf der Bühne. Dass die Tickets für das Festival 2027 bereits ausverkauft sind, zeigt die große Anziehungskraft der Veranstaltung.

Doch das Rockharz steht nicht nur für ein hochkarätiges Musikprogramm und ausgelassene Festivalstimmung. Projekte wie „Rock’n’Recycle“ machen deutlich, dass eine Großveranstaltung auch Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen kann. Entscheidend dafür sind Menschen, die genauer hinsehen, organisieren, sortieren und anpacken.

Das Engagement des Wolterstorff-Gymnasiums ist deshalb weit mehr als eine Aufräumaktion. Sie verhindern, dass brauchbare Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände zu Abfall werden, und verwandeln sie in Unterstützung für Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.

So bleibt nach dem letzten Konzert nicht nur die Erinnerung an gute Musik und gemeinsame Festivalmomente. Es bleibt auch ein starkes Zeichen für Solidarität, Nachhaltigkeit und gelebte Nächstenliebe. Denn manchmal beginnt Hilfe genau dort, wo andere bereits ihre Zelte abbrechen.

Vielen Dank an Daniela Glogner, die Schüler, Doreen Wölfer und die Besucher des Festivals!

Mandy Politz

Fachassistentin des Geschäftsführers

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