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AWO Aktionstag

Du interessierst dich für Soziale Arbeit, bist aber unsicher, was die richtige Ausbildung für dich ist?

Dann schau uns - den Auszubildenden - doch einen Tag lang im AWO Alten- und Pflegezentrum "Am Kleers" über die Schultern!

Wir nehmen dich mit an verschiedene Stationen, an denen du erfährst, wie unser Azubi-Alltag aussieht. Wir zeigen dir, was zu unseren Aufgaben gehört, welche Hürden auf dich zukommen und warum sie sich lohnen. Du kannst die Perspektive wechseln und in die Rolle unserer Bewohner schlüpfen. Dafür haben wir einen Rollstuhlparcours augebaut und einen Anzug, der deine Sinneswahrnehmung verändert.

Hereinschnuppern lohnt sich!

Eine Ausbildung in der Pflege bietet dir nicht nur einen sicheren Job, sondern auch die Aussicht auf verschiedenste Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Neugierig? Dann komm vorbei.

Wir begrüßen dich ab 8.30 Uhr. Die Veranstaltung endet gegen 14 Uhr.

Gruppen melden sich bitte unter info@awo-harz.de an.

Abenteuer Heimat – Gemeinsam über Stock und Stein


Der Harz ist ein beliebtes Ziel für Wanderer aus nah und fern. Was Natur und Kultur gerade hier so interessant machen, können Kinder zwischen 6 und 12 Jahren in den Herbstferien selbst erkunden: beim Wanderprojekt „Abenteuer Heimat – Gemeinsam über Stock und Stein“.


Dafür hat die Tafel Quedlinburg (in Trägerschaft des AWO Kreisverbands Harz e. V.) in Kooperation mit dem Verein Gesund älter werden im Harz e. V. (Träger des Projektes "Harzer Wandernadel"), dem Kinderladen Reichenstraße (in Trägerschaft des Dachvereins Reichenstraße e. V.) sowie der Quedlinburg‐Tourismus‐Marketing GmbH ein buntes und kindgerechtes Ferienprogramm für Kinder von 6 bis 12 Jahren auf die Beine gestellt. In Bastelworkshops und beim Wandern können Jungen und Mädchen vom 7. bis 12. Oktober die Natur erkunden, kreativ werden und Stempel der Harzer Wandernadel sammeln.


Montag: Wer wandern geht, hat sich für seine Mühen auch ein richtiges Abzeichen verdient! Das denken sich die Kinder am ersten Projekttag gemeinsam aus und fertigen darüber hinaus ein Foto-Stempel-Buch an, das es über die Woche hinweg zu füllen gilt.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Drei Tage lang geht es dann mit erfahrenen Gästeführern wandernd über Stock und Stein. Dabei machen die Kinder Fotos und sammeln Naturmaterialien. Gemeinsam sollen sie die Welt der Pflanzen und Tiere besser kennen‐, aber auch schätzen und respektieren lernen. Ein wichtiger Bestandteil des Projektes baut auf Bewegung auf. Die Kinder sind unterwegs, erwandern ihre Umgebung und lernen dabei auch Interessantes über die Geschichte ihrer Heimat.

Freitag: Die Erlebnisse sollen schließlich am Freitag beim Basteln in einem Fotoalbum festhalten und die mitgebrachten Materialien kreativ verarbeitet werden.

Am Sonnabend sind dann Eltern, Geschwister und Freunde zur Abschlusspräsentation in das Restaurant mit Herz der Tafel Quedlinburg eingeladen. Ab 14 Uhr können sie sich bei einer Foto- und Bastelausstellung selbst ein Bild von den Abenteuern der Kinder machen. Krönender Abschluss ist die Verleihung der Abzeichen - die haben sich die Kinder dann auch redlich verdient!

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist aufgrund begrenzter Teilnahme nötig.

Gefördert wird das Projekt durch Mittel des Programms "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Es ist Teil des Programms "Tafel macht Kultur" und wird durch die Tafel Quedlinburg in Kooperation mit dem Verein Gesund älter werden im Harz e.V., dem Kinderladen Reichenstraße (in Trägerschaft des Dachvereins Reichenstraße e. V.) sowie der Quedlinburg‐Tourismus‐Marketing GmbH durchgeführt.

  • Tafel macht Kultur

    Tafel macht Kultur

  • Kultur macht stark

    Kultur macht stark

  • Bildungsministerium

    Bildungsministerium

Weitere Informationen über das Projekt gibt es im Kinderladen der Reichenstraße, der Geschäftsstelle der QTM auf dem Marktplatz in Quedlinburg und bei der Harzer Wandernadel in Blankenburg.

Tafel Quedlinburg zeigt sich in frischen Farben

Die Ausgabe der Tafel Quedlinburg findet seit Jahren an einem eher ungewöhnlichen Ort statt. Im Keller eines ehemaligen Frauengefängnisses werden jede Woche Lebensmittel sortiert und verteilt.  

In den stark genutzten Räumen war zuletzt immer wieder Schimmel aufgetreten. Versuche, diesen mit einfach Mitteln und quasi im laufenden Betrieb zu entfernen, scheiterten. Deshalb musste eine dauerhafte Lösung gefunden werden.

Weil die Tafel ohnehin aufgrund der Verkehrseinschränkungen mehrere Tage rund um den Sachsen-Anhalt-Tag schließen musste, sollte die Zwangspause sinnvoll genutzt werden, um den Keller in Schuss zu bringen.  Dafür wurden zunächst alle Möbel ausgeräumt und voll motiviert die Farbtöpfe rangeschafft.

Doch die Ernüchterung war groß, als alles rausgeräumt war. Der Schimmel hatte sich stärker ausgebreitet als zunächst vermutet. Der Boden, viele Wände und auch die Fenster hatten über die Jahre sehr gelitten und mit frischer Farbe war es nicht getan. Aus der überschaubaren Maleraktion wurde deshalb kurzerhand eine umfassende Renovierung des Kellergeschosses. Die Ausgabestelle musste für die Dauer der Arbeiten kurzerhand eine Etage höher ziehen.

Hier wurde auch direkt die Kleiderkammer ausgeräumt und frisch gestrichen. Im Restaurant mit Herz – der Aufenthaltsraum wurde bereits zu Jahresbeginn völlig neu gestaltet – nahmen sich die Männer und Frauen zudem die Küche vor.

Während die Quedlinburger sich also feiern ließen, wurde in der Tafel tatkräftig angepackt. Der alte Fußboden wurde komplett ausgetauscht und durch Fließ-Estrich ersetzt, der später mit Bodenfarbe gestrichen wurde.  Die Wände – die die Aktion erst ausgelöst hatten – bekamen eine Spezialbehandlung mit Schimmelfarbe. Die maroden Fenster wurden zudem kostenlos von einem befreundeten Handwerker ausgetauscht.

Die REWE-Filiale in Quedlinburg unterstützte das Vorhaben zusätzlich mit neuen Regalen, die der Ausgabestelle nun einen völlig neuen Charakter verleihen.  Der Ausgaberaum ist nach der Aktion nicht mehr wiederzuerkennen.  

"Der Keller hier in unserer Tafel hat uns in den vergangenen Wochen einiges abverlangt, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagt Alexandra Schulze, Koordinatorin der Tafeln im Landkreis Harz. "Ich bin unseren Helfern sehr dankbar, dass sie uns so unterstützen. Ohne sie hätten wir die Ausgabestelle nicht so schön herrichten können. Besonderer Dank geht auch an meine Tafelmitarbeiter, allen voran Ingolf Pape, der sich unermüdlich für unser spontanes Großprojekt eingesetzt hat."

Aus den Reihen der Tafel-Kunden gab es nach der Aktion durchweg positive Rückmeldungen und auch die Mitarbeiter fühlen sich in den Räumlichkeiten pudelwohl.

Nachwuchs-Imker naschen im Ökogarten leckeren Honig

Es summt und brummt geschäftig im Wordgarten. Unzählige Honigbienen sind fleißig dabei, die Blumen auf den umliegenden Wiesen zu besuchen und Blütenstaub zu sammeln.

Was für kunstvolle Wabenbauwerke sie dann in ihren Beuten erschaffen und wie lecker frischer Honig schmeckt, das durften rund 18 Kinder beim Projekt „SUMM – Die Bienen sind los!“ erleben. Gemeinsam mit Imker … Kramer besuchten die Kinder die Insekten in ihrem Zuhause. Damit sie nicht von aufgeregten Bienen gestochen werden, bekam jeder Junge und jedes Mädchen einen eigenen Imkeranzug mit Kopfschutz und schon konnte es losgehen.

Damit begann die viertägige Projektwoche Ende April im Ökogarten. Unter der künstlerischen Leitung von Silke Meyer und mit Unterstützung von Kräuterfachfrau Silke Schoppe drehte der erste Tag um die kleinen Insekten und Kräuter. Dabei lernten die Jungen und Mädchen spielerisch viele neue und spannende Dinge, bekamen aber auch wertvolles Wissen vermitteln. Zum Beispiel, dass die Kräuter und Blumen ohne Bienen nicht wachsen können, aber auch die Insekten auf die Pflanzen angewiesen sind und ihre Pollen brauchen.

Bei einer Kräuterwanderung lernten sie dann verschiedensten Pflanzen kennen. Viele davon sind essbar und kamen deshalb zum Mittag auf den Tisch: Als frischer Salat mit bunten Blüten oder als Brennnessel-Omeletts über dem Feuer zubereitet.

Kreativ wurde es dann am zweiten Tag. Noch einmal machten sich die Jungen und Mädchen auf, um im Ökogarten nach Wildkräutern zu suchen. Dieses Mal sollten sie aber nicht unbedingt essbar sein, sondern färben. Die Blätter und Blüten wurden dann auf Stoffbeuteln verteilt, in einer Lauge gekocht und später zusätzlich bemalt. Das Ergebnis waren kunterbunte und einzigartige Beutel.

Gleichzeitig machten sich die Kinder an ein weiteres Projekt und überlegten sich Fragen und Motive für Quizztafeln, die später im Ökogarten aufgestellt werden sollten. Unterstützung bekamen sie dabei vom Team des Ökogartens, das fleißig, sägte, hämmerte und schraubte, bis alle Tafeln fertig zum Bemalen waren.

Sandy Schwermer stieß an den beiden letzten Tagen dazu und machte mit den Kindern einen Theaterworkshop. Dafür wurde ein kurzweiliges Stück einstudiert und Handpuppen gebastelt.

Für eine lustige Schwarmbewegung – dabei schlüpften die Kinder dann selbst in die Rolle von Insekten – wurden kleine Flügel und Masken gebastelt.

Langweilig wurde es bei den vielen und sehr unterschiedlichen Angeboten nie. Und so hatten die Kinder noch alle Hände voll zu tun, bevor sie am letzten Tag ihre Familien zur Präsentation begrüßten. Das Theaterstück musste geprobt, die Quizztafeln fertiggestellt, Pizza gebacken und der Ökogarten dekoriert werden.

Die Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde staunten nicht schlecht, als sie einen Einblick bekamen, was in der kurzen Woche alles passiert war. Sie waren sich in jedem Fall einig mit den Projektpartnern, dass „SUMM – Die Bienen sind los“ ein voller Erfolg war.

Doch damit war noch nicht Schluss. Im Mai stand noch eine Kinopremiere an. Denn die Kinder wurden bei ihrem Projekt von einem kleinen Kamerateam begleitet, dass aus den Aufnahmen einen lustigen, unterhaltsamen und informativen Film zusammengeschnitten hat. Es wurde laut gelacht, gestaunt und gespannt Popcorn genascht bei der Premiere im Kino der Reichenstraße und alle Kinder bekamen eine DVD als Erinnerung an ihr Abenteuer.

Gefördert wurde das Projekt durch Mittel des Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Es ist Teil des Programms „Tafel macht Kultur“ und wurde durch die Tafel Quedlinburg in Kooperation mit dem Förderverein Natur- und Umweltzentrum Quedlinburg e. V. sowie dem Kinderladen, in Trägerschaft des Dachvereins Reichenstraße e. V., durchgeführt.

„Ich habe gedacht, jetzt sterbe ich“

Syrien – das bedeutet Krieg, Not, Leid, Armut. Es ist Rami Dahbours Heimatland, aus dem er vor dreieinhalb Jahren flüchtete. Am Dienstag war er zu Gast in der Tafel Quedlinburg, um Angestellten und Interessierten seine Geschichte zu erzählen. Und die beginnt in einem Syrien, das wir in Europa so kaum kennen.

„Wir hatten Spaß. Ich hatte ein normales Leben, viele Freunde“, sagt Rami als er auf die Zeit um 2009 zurückblickt. Er war Anfang 20, Fußballfan, studierte BWL und arbeitete in einer Bar in Damaskus.
Er habe sich frei und sicher in seinem Land gefühlt, auch wenn es dort schon damals keine Demokratie gab. 24 Stunden am Tag Strom und Wasser waren selbstverständlich. „Mein Paradies war Syrien“, sagt der 29-Jährige und zeigt Bilder seiner Heimat, wie sie damals aussah. Die Städte waren belebt, Staus verstopften die Straßen. Frauen konnten ihre Wohnung unverhüllt verlassen.

Heute ist davon nichts geblieben:  Die nächsten Fotos zeigen Krieg, Zerstörung und Ruinen, menschenleere Straßen. „So ist unser Land jetzt“, sagt Rami. Die Menschen haben gelernt, mit Bomben und Raketen, Terroristen und Mafia zu leben. „Der Tod war normal“, erzählt der 29-Jährige. Nahezu täglich sterben Bekannte, Freunde oder Familienmitglieder. Es gibt nur alle paar Tage Wasser, gelegentlich Strom. Die Menschen leben in bitterer Armut. Der Krieg, den verschiedene Länder auf syrischem Boden austragen, habe bis heute eine halbe Million Todesopfer gefordert, 250.000 Menschen seien behindert, nennt Rami einige Zahlen.  

Sein Studium beendet Rami mitten im Krieg. Doch damit wird es für den jungen Mann ernst. In Syrien, so erzählt er, müssten Männer nach Ende ihrer Ausbildung in die Armee Assads eintreten. Für Rami unvorstellbar: „Ich will gegen keine andere Person kämpfen. Ich will mit Krieg nichts zu tun haben“, sagt er entschieden, zumal Assad seine Truppen gegen das eigene Volk einsetze.  
Gemeinsam mit seiner Familie entschied er, dass er weg muss. Doch keines der anderen arabischen Länder wollte nach 2011 Syrer aufnehmen. Aus dem Internet erfährt er: Europa nimmt Flüchtlinge auf. Seine Familie kratzt alle Reserven zusammen, um die Flucht zu finanzieren. „In unserer Kultur ist der Goldschmuck der Frauen eine Sicherheit“, erklärt er. Stirbt der Mann, ist sie fürs erste gut versorgt. Seine Mutter verkaufte ihren Schmuck trotzdem und gab ihrem Sohn 4.000 Euro für die gefährliche Reise nach Europa.

Am 10. September 2015 war sein letzter Tag in seiner Heimat, das letzte Mal, dass er seine Familie und Freunde sah. Dann bestieg er mit seiner Schwester, seinem Schwager und fünf Freunden einen Bus, der sie von Damaskus in den Libanon bringen sollte. Von dort fliegen sie in die Türkei.

„In der Türkei musste ich die Mafia finden“, erzählt Rami dann. Einige Zuhörer blicken ihn ungläubig an. Aber er braucht ein Boot, das ihn und seine Schwester über das Mittelmeer nach Griechenland bringt. 1.350 Euro bezahlt er für die gefährliche Reise, die in einer Katastrophe endet. Sie sollten ein kleines Boot besteigen, das für 18 Personen ausgelegt und nicht für offene Gewässer geeignet war. Immer mehr Menschen drängten auf das Boot. 30, 40, 50. Am Ende kauerten 65 Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge darin. Rami wollte aussteigen, das Risiko war ihm viel zu groß. Die bewaffneten Schleuser gaben ihm deutlich zu verstehen, dass er keine Wahl hat und schickten die Menschen aufs offene Meer.

Nach einer halben Stunde bekamen die Reisenden nasse Füße. Wenige Minuten später hörten sie ein seltsames Geräusch. Der Boden des Bootes war unter der viel zu großen Last gebrochen. „Ich habe nur Leute im Wasser gesehen. Ich habe gedacht, jetzt sterbe ich.“ Er stirbt nicht. Die türkische Polizei rettet die Überlebenden knapp eine Stunde nachdem das Boot untergegangen war. Zurück an Land muss er entscheiden, ob er zurück nach Syrien geht oder ein weiteres Mal die gefährliche Reise antritt. Er spricht mit seinem Vater, der ihm dazu rät, es noch einmal zu versuchen.

Erneut geht er einen Deal mit einer Mafiaorganisation ein, zahlt 1.400 Euro. Dieses Mal haben sie etwas mehr Glück. „Nur“ 38 Menschen sitzen in seinem Boot, das nachts in Griechenland ankommt. Rami und seine Freunde sind unendlich glücklich, Europa erreicht zu haben.

Von Griechenland reisen sie über Mazedonien, Serbien und Kroatien bis nach Österreich. Dort können sie das erste Mal duschen und etwas anständiges Essen. Die gesamte Reise habe er sich nur von „Snickers“ ernährt – weil es billig ist und sie kein Geld mehr hatten.

Rami will weiter nach Ostdeutschland. „Die Leute sind nett dort“, habe ihm sein Vater gesagt, der 1978 in Ostberlin war. Sie fuhren also weiter bis nach Halberstadt in die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber und später weiter nach Magdeburg. Hier erhielt er schließlich seine Aufenthaltserlaubnis, aber bis er seinen Deutschkurs beginnen konnte, sollte ein weiteres halbes Jahr vergehen. „Meine Integration in dieser Zeit war gleich null“, sagt er ehrlich. Alle Versuche, Anschluss zu finden, scheiterten – bis ein Freund ihm erzählte, dass das AWO Landesjugendwerk einen Bufdi suchte. Rami nutzte seine Chance – mit großem Erfolg.
Heute ist er Projektleiter des Nachbarschaftstreffs des AWO Landesverbands in Magdeburg. Hier leitet er einen arabischen Integrationskurs für Deutsche, einen Deutschkurs für Geflüchtete und bringt beide Seiten bei Veranstaltungen zusammen. Er gibt Workshops zu interkultureller Kompetenz, hilft Deutschen und Migranten bei der Jobsuche und engagiert sich als Vorstandsmitglied im AWO Landesjugendwerk. Seine Geschichte erzählt er in Schulen, vor Abgeordneten, bei der Polizei und allen, die ein offenes Ohr haben. Es sei nur eine von Millionen Geschichten geflüchteter Syrer, sagt er traurig.

Dennoch: Magdeburg ist nur seine zweite Heimat. „Wenn der Krieg vorbei ist, fliege ich zurück. Wir bauen Syrien wieder auf, nicht nur die Gebäude, auch die Menschen.“

„Vielfalt macht stark“: gelungene AWO-Jubiläumsparty

Auf dem Marktplatz in Quedlinburg herrschte am Sonntag kunterbuntes Treiben. Der AWO Kreisverband Harz e. V. hatte zur großen Geburtstagsfeier eingeladen. Unter dem Motto „Vielfalt macht stark“ präsentierten sich anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Arbeiterwohlfahrt die verschiedenen Einrichtungen des Kreisverbands beim Familienfest mit vielen Informations- und Mitmachangeboten.

So präsentierten sich am Stand der Seniorenhilfe die Mitarbeiter des Alten- und Pflegeheims „Am Kleers“ gemeinsam mit Kollegen der Tagespflege und des Ambulanten Pflegedienstes und klärten über die unterschiedlichen Angebote auf. Der Chor des Pflegeheims beteiligte sich zudem mit einer Gesangseinlage auf einer der beiden Bühnen. Das Steinke Sanitätshaus sowie das Institut für Berufliche Bildung A. Gesche unterstützten mit eigenen Ständen an denen Besucher Rollstühle austesten und einen Ganzkörperanzug anlegen konnten, der die Veränderungen des Körpers im hohen Alter vortäuscht.

Im Mitmachzirkus der AWOlinos (Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Börde e. V.) wurden aus mutigen Jungen und Mädchen kleine Artisten, die auf Seilen balancieren oder jonglieren lernten. Tom Balloni begeisterte mit seiner Ballonkunst und zauberte nicht nur für die kleinen Besucher Herzen, Schwerter und Tierfiguren. Während die Kinder sich zudem an Riesenseifenblasen erfreuten, auf den Hüpfburgen herumturnten oder an den verschiedenen Bastelständen kreativ wurden, nutzten die Erwachsenen die Gelegenheit, sich über die unterschiedlichen Einrichtungen des Kreisverbands zu informieren. Der Bereich der Kindertagesstätten lud zu einer Zeitreise ein – mit Holzbauklötzen, Puppenstube oder alten Büchern. Dafür hatte das DDR-Museum Thale viele Exponate ausgeliehen, die ältere Besucher in Erinnerungen schwelgen ließen.

Am Stand der Behindertenhilfe wurde über psychische Erkrankungen aufgeklärt und die eigenen Sinne in Blackboxen auf die Probe gestellt. Kreativ wurde es auch beim Landesjugendwerk, wo mit Sprühfarbe aus einfachen Stoffbeuteln farbenfrohe Unikate wurden. In diese wanderten dann oft auch die Kunstwerke, die gemeinsam mit den Schulsozialarbeitern entstanden. Mit Feder und Tinte wurden hier in alter Sütterlinschrift kleine Nachrichten verfasst oder Steine und kleine Porzellanschalen bemalt. Eine Station weiter wurde es dann noch bunter: Am Schminkstand der Sozialpädagogischen Familienhilfe wurden aus den Jungen und Mädchen zauberhafte Fabelfiguren während nebenan am Basteltisch des Kinder- und Jugendheims „Marie Juchacz“ lustige CD-Tiere, Kochlöffelschmetterlinge oder witzige Figuren aus Woll-Pompons entstanden.

Für das leibliche Wohl sorgten die Mitarbeiter der Tafel Quedlinburg. An ihrem Stand bildeten sich zeitweise lange Schlangen. Die beliebten hausgemachten Klopse und den Kartoffelsalat wollte sich niemand entgehen lassen. Und tatsächlich waren schon vor Ende des Festes alle Würstchen, Buletten und Kuchen restlos ausverkauft. Ein großer Erfolg für das Team, dass sich wochenlang auf diese Aufgabe vorbereitet hat.

Die Bands „Faunas“, „Mosaik“ und „Patchwork“ sorgten für einen gelungenen musikalischen Rahmen und luden mit bekannten Nummern immer wieder zum Mitsingen ein.

Die Show stahlen ihnen jedoch die Kinder der AWO-Kindertagesstätte „Sputnik“ mit ihrem Maskentheater. Ganz in schwarz gekleidet, mit weißen Masken und Handschuhen bewegten sie sich zu imposanter Musik und zogen alle Aufmerksamkeit auf sich. Belohnt wurden sie mit langem Applaus.

„Es macht mich stolz, zu sehen, wie sich alle Beteiligten engagiert haben und mit viel Elan ein Fest gestalteten, das seines Gleichen sucht. Dies gilt ganz besonders für die Singegruppe aus dem „Kinderland Bummi“ in Quedlinburg, so der Geschäftsführer Kai-Gerrit Bädje.

100 Jahre Hilfe auf Augenhöhe

Seit 100 Jahren unterstützt die Arbeiterwohlfahrt sozial schlechter gestellte Menschen, betreibt Kindertagesstätten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder Senioren und vieles mehr. Das Jubiläum hat der AWO Kreisverband Harz e. V. nun zum Anlass genommen, gemeinsam mit etwa 100 Gästen in der Kammerbühne Halberstadt zu ergründen, warum die Arbeiterwohlfahrt damals nötig war – und warum sie auch heute unverzichtbar für unsere Gesellschaft ist.

Beim Fachtag „Marie Juchacz auf der Spur. – Warum sich die AWO gründen musste“ unternahmen die Gäste nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden des Kreisverbands, Dirk Michelmann, zunächst eine Reise ins Deutschland von 1949. Marie Juchacz, Gründerin war gerade aus dem Exil in den USA zurückgekehrt und lebte bei ihrem Sohn Paul nahe Koblenz am Rhein. Schauspielerin Anja Grasmeier schlüpfte dafür in die Rolle Juchacz‘, die in ihrem neuen Zuhause die zahllosen Briefe und Postkarten durchsieht. Aus einem Brief liest sie laut vor und muss dabei lächeln: „Gibt dir det Leben mal’n Knuff, dann weene keene Träne, setz dir uff’ne Bank und baumle mit de Beene.“ Es sind Glückwünsche ihrer Vertrauten, Lotte Lemke, zum 70. Geburtstag.

So spielerisch zurückversetzt, berichtet sie dem Publikum aus Sicht der AWO-Gründerin von ihrem Leben und politischem Wirken. Wie sie als Hausangestellte und später als Näherin arbeitete. Wie sie es wagte, ihren Mann zur Rede zu stellen, als er Geld aus der gemeinsamen Kasse nahm. Als er zuschlug, verließ sie ihn und nahm die beiden Kinder mit – ein extrem ungewöhnlicher Schritt in einer Zeit, in der Frauen nicht wählen und ohne Zustimmung ihres Mannes nicht einmal ein Bankkonto eröffnen durften.

Sie ging nach Berlin, später nach Köln, wo sie das Sekretariat für Frauenfragen bei der Sozialdemokratischen Partei übernahm. Schon zu dieser Zeit reifte der Gedanke, die Frauenbewegung mit praktischer sozialer Arbeit zu verbinden. „Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung wusste ich, dass sich die Arbeiter in jeder Lage kameradschaftlich zu helfen suchten“, so „Marie“ alias Anja Grasmeier. Der Krieg ließ kein Überlegen mehr zu. Ihre Anstrengung, Bedürftigen zu helfen, mündet schließlich 1919 in der Gründung des „Hauptausschuss der Arbeiterwohlfahrt“.

Den Mut Juchacz‘, die ihrer politischen Überzeugung Zeit ihres Lebens treu blieb, würdigt Petra Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, in ihrem Grußwort.

Die gelungenen schauspielerischen Einlagen werden durch Fachbeiträge verschiedener Referenten ergänzt. So schildert Historiker Prof. Dr. Wolfgang Benz die Situation und Traditionen in Deutschland zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Gerade Frauen waren damals in der Verantwortung, mussten ihr Leben selbst in die Hand nehmen und ihre Familien und Kinder versorgen. Denn die Männer waren entweder noch an der Front, verwundet oder bereits tot.

Vor allem die sozialdemokratischen Frauen sorgten während des Krieges dafür, dass die Gesellschaft nicht zusammenbrach. Sie veränderten sie durch praktische Solidarität, die jenen zuteilwurde, die unter den Auswirkungen des Krieges litten. Das bedeutete vordergründig, dass sich Betroffene gegenseitig halfen, wie Prof. Dr. C. Wolfgang Müller in seinem Beitrag verdeutlicht. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist noch heute ein Leitsatz der Sozialdemokratie und der Arbeiterwohlfahrt. Sofern die gesellschaftlichen Bedingungen stimmen, kann jeder sein Leben eigenständig und eigenverantwortlich führen.

Im Ersten Weltkrieg und in den Jahren danach ermöglichten dies Suppenküchen, Nähstuben, Schreibstuben und viele weitere Angebote. Statt Almosen, die von oben nach unten gereicht wurden, begegneten sich Helfende und Hilfebedürftige auf Augenhöhe, führt Müller aus. Diese Sichtweise hielt mit Fortentwicklung der Arbeiterwohlfahrt auch Einzug in die Soziale Arbeit, die bis heute nach diesem Prinzip handelt. Barbara Höckmann, Präsidentin des Landesverbandes Sachsen-Anhalt der AWO, fasste diesen Aspekt in ihrem Grußwort mit dem Zitat zusammen: „Nicht Milch und Quark, sondern Solidarität macht uns stark!“

Zuletzt wagen Prof. Dr. Ursula Birsl und Rudolf Dreßler (SPD) einen Blick in die Zukunft des Sozialstaats und der Wohlfahrtsverbände. Neoliberale Orientierungen, die propagieren, dass jeder seines Glückes Schmied sei, zerstören die solidarische Gesellschaft. Hilfe und Unterstützung werden zu Dienstleistungen, die in diesem Gesellschaftsmodell nur noch gegen Gegenleistung in Form von Vorteilen oder gar Geld zu erwarten sind. Alles in Allem: Soziale Arbeit und Wohlfahrtspflege sind und bleiben politische Arbeit, darin waren sich die Experten einig. Der anhaltende Applaus des Auditoriums unterstrich die Aussage eindrucksvoll.

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